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Atomenergie in Europa > Weißrussland

Reaktoren in Betrieb: 1 • im Bau: 1 • stillgelegt: - [1][2]


Reduzierung der Importabhängigkeit

Hrodna. Karl Marx Street

Hrodna (Weißrussland)

Weißrussland, ein Gründungsmitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) 1957,[3] ist der Staat, dessen Bürger unter der Tschernobyl-Katastrophe am schlimmsten zu leiden hatten. 38.400 Quadratkilometer und 22 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wurden radioaktiv kontaminiert. 2,2 Mio. Menschen waren von dem GAU betroffen, 135.000 mussten umgesiedelt werden.[4][5]

Bislang berieb Weißrussland zwar keine eigenen kommerziellen Atomkraftwerke, zielt in seiner Energiepolitik aber darauf ab, die Importabhängigkeit von russischer Energie zu reduzieren, und setzt deshalb auf eine Erhöhung des Anteils einheimischer Energiequellen, darunter auch der Atomkraft.[6] Den zusätzlich erzeugten Atomstrom würde der osteuropäische Staat gerne nach Europa exportieren, insbesondere nach Polen und Litauen.[7]

Seit 2013/2014 befinden sich bei Ostrovets an der litauischen Grenze zwei Reaktoren im Bau. Eine Einheit ist am 12. Oktober 2020 in Betrieb gegangen. Die Kosten werden auf 10 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Detaillierte Informationen zu diesem Atomkraftwerk unter → Ostrovets

Weißrussland besitzt außerdem drei Forschungsreaktoren, die zwischen 2000 und 2009 in Betrieb gegangen sind (Stand: 30. Dezember 2017).[8]

 
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Einstiegspläne seit den 1980er Jahren

In der Nähe der Hauptstadt Minsk sollte in den 1980er Jahren schon einmal ein Atomkraftwerk mit einer geplanten Leistung von 2 x 940 MW errichtet werden, das jedoch wegen öffentlichen Widerstands nicht fertiggestellt wurde.

Minsk (Weißrussland)

Aus den gleichen Gründen scheiterten Pläne für einen 650-MW-Druckwasserreaktor bei Wizebsk (Witebsk) im Nordosten Weißrusslands nahe der russischen Grenze, dessen Inbetriebnahme für 2005 vorgesehen war.[9] Im November 1988 wurde berichtet, es habe gegen das AKW lokale Widerstände aus Besorgnis über ökologische Schäden gegeben. Am 13. Dezember 1988 gaben weißrussische Behörden bekannt, das Projekt sei verworfen worden.[10]

Nach Erlangung der Unabhängigkeit gab Weißrussland am 22. Dezember 1992 bekannt, Atomkraftwerke errichten zu wollen: ein erstes mit 500 bis 600 MW bis 2005, ein oder zwei weitere mit 1.000 MW bis 2005 und 2010. Es wurden eine Standortsuche eingeleitet und 1994 Gespräche mit Russland und Kanada geführt.[11] Da die Bereitschaft zum Atomeinstieg jedoch nur gering war, sagte Lukaschenko die Baupläne am 2. Mai 2002 wieder ab.[12]

Am 17. September 2007 traf Lukaschenko neuerdings die Entscheidung, Atomkraft zum Zwecke der Energieerzeugung zu nutzen. Dies wurde 2008 vom Sicherheitsrat bestätigt und im gleichen Jahr in einem Gesetz fixiert.[13]

Ein erstes Abkommen zur Nutzung der Atomkraft schlossen Weißrussland und Russland 2009 ab. Wegen finanzieller Differenzen mit Russland und litauischer Sorgen über Auswirkungen auf die Umwelt wurde aber erst im Juli 2012 ein russisch-weißrussisches Abkommen zum Bau des Atomkraftwerks Ostrovets unterzeichnet.[14]

2012 kündigte Lukaschenko außerdem den Bau eines zweiten AKWs an, mit dem Weißrussland Strom exportieren sollte.[15] 2013 betonte Lukaschenko die "Zweckmäßigkeit" einer zweiten Anlage, gab aber zugleich zu, dass deren Bau aus finanziellen Gründen nicht realisierbar sei.[16]

Weitere Links

→ taz.de: Öko-Bewegung in Weißrussland - Wir äußern uns nicht politisch vom 21. Oktober 2014 "Umweltorganisationen haben eine schweren Stand in Weißrussland. Wer offen gegen den Bau des AKWs in Ostrowez protestiert, lebt gefährlich."
Die Tschernobyl-Katastrophe


(Letzte Änderung: 14.10.2020)

Einzelnachweise

  1. IAEA: PRIS - CountryStatistics/Belarus, Republic of abgerufen am 10. März 2019
  2. nuklearforum.ch: Weissrussland: Belarus-1 erstmals kritisch gefahren vom 12. Oktober 2020
  3. IAEO: Member States abgerufen am 11. März 2016
  4. Deutscher Bundestag: Radioaktive Altlasten in den Nachfolgestaaten der UdSSR und in Osteuropa (Drucksache 12/8410. S.19) vom 1. September 1994
  5. taz.de: AKW-Bau in Weißrussland - Mit Milliarden aus Moskau vom 20. Oktober 2014
  6. Deutscher Bundestag: Risiken des geplanten Atomkraftwerks in Belarus (Drucksache 17/11779) vom 5. Dezember 2012
  7. The Minsk Herald: Will the powerlines run between Belarus and Europe? vom 12. Januar 2016
  8. IAEO: Research Reactors/Countries: Belarus abgerufen am 4. April 2014
  9. IAEO: LES CENTRALES  NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  10. books.google.com: Industrial Decision-making and High-risk Technology: Siting Nuclear Power Facilities in the USSR (S.164) von 1994
  11. NTI: Belarus: Nuclear Power Reactors in Belarus vom Mai 1997 (via WayBack)
  12. NTI: Belarus: Nuclear Power Developments vom 8. April 2003 (via WayBack)
  13. IAEO: Country Nuclear Power Profiles/Belarus abgerufen am 14. Februar 2015
  14. nti.org: Belarus abgerufen am 23. Oktober 2014
  15. RIA Novosti: Hunger auf Atomstrom: Lukaschenko kündigt zweites AKW an vom 3. April 2012
  16. russland.ru: Wissenswertes und offene Worte aus Weißrussland vom 2. Mai 2013 (via WayBack)
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