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Atomtransporte > Transporte auf Straßen

Im Februar 1998 gab es unter Helmut Kohl einen großen Skandal, da Transportbehälter mit abgebrannten Brennelementen, die nach Frankreich unterwegs waren, an der Außenseite stark radioaktiv kontaminiert waren. Die Grenzwerte wurden mit bis zu 13.400 Becquerel erheblich überschritten. Dies war den Betreibern und Behörden seit langem bekannt, wurde aber verschwiegen. Die damalige Bundesumweltministerin Merkel ließ die Transporte aufgrund des großen Aufsehens in den Medien stoppen.[1]

Wie ein Vorfall aus dem Jahre 2010 verdeutlicht, werden radioaktive Stoffe auch in schwer beschädigten LKW befördert. Ein völlig maroder, am Gestell durchgerosteter LKW, der hochgiftiges Uranhexafluorid zur Urananreicherungsanlage in Gronau transportierte, wurde von der Polizei aus dem Verkehr gezogen.[2]

Im Juli 2011 stellten Spezialkräfte der Polizei einen Transporter mit radioaktivem Stoff sicher. Dieser wurde in einem Metallschrank befördert, der sich wegen unzureichender Sicherung frei hin und her bewegen konnte. Der Fahrer hatte weder eine Transportgenehmigung noch schriftliche Weisungen bei sich; außerdem hatte er die Lenk- und Ruhezeiten nicht eingehalten.[3]

Im Februar 2012 beantragte E.ON den Transport hochradioaktiver Mischoxid-Brennelemente in Nordrhein-Westfalen, die das AKW Grohnde versorgen sollten. Diese enthielten "bis zu 400 Kilogramm Plutonium (…). Angelandet werden soll das Gift in einem belgischen Hafen - um das an der Weser liegende AKW Grohnde zu erreichen, führen die Transportrouten dann durch die Ballungsräume des bevölkerungsreichsten Bundeslands NRW."[4]

Durch das Saarland rollen auf Autobahnen jährlich 50 Atomtransporte. "Die Atomtransporte, die kürzlich [im Februar 2013] an der Goldenen Bremm Rätsel aufgaben, waren mit schwach strahlendem Uranhexafluorid beladen. Angemeldet werden mussten sie nicht – deshalb wusste die Polizei nichts davon."[5]

In einer Stellungnahme vom Februar 2014 geht die Bundesregierung davon aus, dass bis 2016/2017 die Brennelemente aller 2011 vom Netz gegangenen neun Reaktoren in die Zwischenlager überführt werden, damit in diesen Anlagen "Kernbrennstofffreiheit" herrscht. Es sollen ausreichend Transportkapazitäten für die zu entsorgenden Uran- und MOX-Brennelemente zur Verfügung gestellt werden.[6]

2016 wurden in Nordrhein-Westfalen 539 Atomtransporte abgewickelt, die meisten auf Straßen, ein Teil aber auch mit der Bahn. Der Großteil der Transporte, nämlich 266, entfielen auf die Urananreicherungsanlage Gronau.[7]

Fernsehbeitrag

  • Atomtransporte durch Thüringen
    "Auf unseren Autobahnen wird per LKW täglich radioaktives Material transportiert, von der Öffentlichkeit unbemerkt. Darunter selbst sogenannte Großquelltransporter mit hochstrahlendem Material wie Kobalt 60." Quelle: Video
Atomtransporte_durch_Thüringen_Quelle_ZDF

Atomtransporte durch Thüringen Quelle ZDF

ZDF mittagsmagazin, hochgeladen am 17. Dezember 2010 auf YouTube

(Letzte Änderung: 15.06.2020)

Einzelnachweise

  1. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 350f.
  2. heise.de: Atomtransporte in der Kritik vom 29. März 2010
  3. NWZ Online: Bremen: Transporter mit radioaktivem Stoff aus Verkehr gezogen vom 13. Juli 2011
  4. taz.de: Plutonium auf der Autobahn - "Absolut unbeherrschbar" vom 24. Februar 2012
  5. SOL: Jährlich 50 Atomtransporte durchs Saarland vom 1. März 2013 [Seite nicht mehr verfügbar]
  6. Deutscher Bundestag: Verfügbarkeit und Zulassungssituation von Transport- und Lagerbehältern für abgebrannte Brennelemente aus Atomkraftwerken (Drucksache 18/444) vom 5. Februar 2014
  7. WDR: 539 Atomtransporte rollten 2016 durch NRW vom 22. März 2017 (via WayBack)
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