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Kernfusion und Fusionsanlagen > Tokamak T1/T2/T3 (Russland)

Typ: Tokamaks • Betreiber: Kurchatov-Institut •
Baubeginn: 1955 (T1) • Inbetriebnahme: 1958 (T1)/1959 (T2)/1960(T3)


Die Tokamaks T1, T2 und T3 waren Anlagen zur Erforschung der Kernfusion, die vom Kurchatov-Institut in Moskau in der ehemaligen Sowjetunion betrieben wurden.[1][2]

Theoretische Forschung und T1

Kurchatov-Institut in Moskau (Archivbild)

1950 (laut EUROfusion) oder 1951 (laut World Nuclear Association) entwickelten die sowjetischen Wissenschaftler Andrej Sacharow und Igor Tamm ein Design für eine Fusionsanlage, die einen magnetischen Einschluss von Plasma ermöglichte. Sie nannten diese Tokamak (toroidalnya kamera ee magnetnaya katushka = torusförmige Magnetkammer).[3][4]

Im gleichen Jahr 1951 liefen im Kurchatov-Institut die ersten Experimente zur Erwärmung und zur Erzeugung von Plasma in Ringkernsystemen an. Diese besaßen zunächst Behälter aus Glas, Porzellan und Metall sowie Isoliereinsätze.[1]

1955 wurde mit dem Bau der Anlage T1 begonnen, die als erster Tokamak weltweit gilt.[5] 1958 wurde der T1 in Betrieb genommen. Er besaß einen Ganzmetallkörper ohne Isoliereinsätze mit einem Radius von 0,67 Meter. In ihm wurde bereits Plasma produziert; untersucht wurden die Verluste, die durch die Ultraviolettstrahlung von Verunreinigungen im Plasma entstanden.[1]

T2

Im folgenden Jahr ging der Tokamak T2 in Betrieb. Im Fokus der Forschungen stand nun, Möglichkeiten zu finden, mit denen Strahlungsverluste vermindert werden konnten. Die Anlage besaß eine innere Vakuumkammer aus Wellblech, die auf 550 Grad erhitzt werden konnte.[1]

T3: Weltrekord mit 10 Mio. Grad

Im Kurchatov-Institut (1986)

Mit dem dritten, 1960 in Betrieb genommenen Tokamak T-3 gelang der Durchbruch. Im Sommer 1968 erreichte das sowjetische Team eine Plasmatemperatur von rund 10 Mio. Grad und einen Plasmaeinschluss für eine Dauer von 10 Millisekunden – Weltrekord für die damalige Zeit.[2]

Im Jahr darauf wurden Forscher von den britischen Culham Laboratories nach Moskau eingeladen, die die Forschungsergebnisse durch eigene Tests bestätigen konnten. Institute in Großbritannien, den USA, Frankreich, Japan und Deutschland entschlossen sich daraufhin, die Kernfusionsforschung mit Tokamaks ebenfalls auf den Weg zu bringen.[2][6]

Das Kurchatov-Institut ist heute das führende und größte interdisziplinäre Forschungsinstitut Russlands. Es koordiniert die Teilnahme Russland an internationalen Forschungsprojekten, wie z. B. ITER und CERN.[7]

National Research Center "Kurchatov Institute"

(Letzte Änderung: 02.03.2021)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 fire.pppl.gov: Tokamak foundation in USSR/Russia1950–1990 vom 30. Dezember 2009
  2. 2,0 2,1 2,2 ITER: Off to Russia with a thermometer vom 9. Oktober 2009
  3. euro-fusion.org: History of fusion abgerufen am 2. März 2021
  4. WNA: Nuclear Fusion Power abgerufen am 2. März 2021
  5. National Research Center "Kurchatov Institute": Brief History abgerufen am 2. März 2021
  6. EUROfusion: Success of T-3 – breakthrough for tokamaks vom 3. November 2005 (via WayBack)
  7. XFEL: Kurchatov Institute becomes shareholder of European XFEL vom 11. Juli 2016 (via WayBack)
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