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2 Druckwasserreaktoren • Leistung: 2 x 1.082 MW • Typ: 2 x WWER V-320 •
Hersteller: Atomenergo Export/Škoda • Baubeginn: 1. Februar 1987 •
Inbetriebnahme: 11. Oktober 2000/31. Mai 2002 •[1][2] Abschaltung: offen


Grenznahes AKW bei Budweis

AKW Temelin (Tschechien)

Das Atomkraftwerk Temelín befindet sich im Westen Tschechiens, 24 km nördlich der Stadt České Budějovice (Budweis).[3]

Temelín besteht aus zwei Druckwasserreaktoren des russischen Typs WWER V-320, die am 11. Oktober 2000 und am 31. Mai 2002 in Betrieb genommen wurden. Eigentümer und Betreiber des Atomkraftwerks ist die tschechische CEZ Gruppe.[1] Hersteller waren Atomenergo Export und Škoda.[2]

Nach einem Beschluss der damaligen kommunistischen Führung im Jahr 1983 sollten ursprünglich vier Reaktoren in Temelín gebaut werden.[4] Die Bauarbeiten stießen jedoch auf Proteste in Tschechien, beispielsweise durch die Bürgerinitiative "Anti-Atom" nach Tschernobyl.[5]

Bei der Errichtung der ersten beiden Reaktoren kam es außerdem zu massiven Kostensteigerungen, da das sowjetische Steuerungssystem durch ein westliches ersetzt werden musste.[6] Deshalb wurden die zwei zusätzlichen, im Jahr 1980 bestellten 972-MW-Reaktoren Temelin-3 und -4, mit deren Bau laut IAEO 1985 begonnen wurde, im Mai 1990 annulliert.[7][2]

Die Inbetriebnahme des Blocks 1 im Jahr 2000 wurde von massiven Protesten bayerischer und österreichischer Bürgerinitiativen begleitet.[4]

Mehrere tschechische Regierungen planten trotz der Fukushima-Katastrophe einen Ausbau des AKW Temelín um zwei zusätzliche Blöcke. Da aber private Investoren fehlten und Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Projekts wuchsen, wurde der Ausbau verschoben. → Tschechien

Störfälle

Temelín ist nur 40 km von der österreichischen und 70 km von der deutschen Grenze entfernt, 100 km von Linz und 230 km von München. Da das AKW als sehr störanfällig gilt, stößt sein Betrieb in Deutschland und Österreich seit Jahren auf Kritik. Umweltschützer dokumentierten über 90 Störfälle von der Inbetriebnahme 2000 bis zum Jahr 2007.[8][9]

Schon 2001, ein Jahr nach Inbetriebnahme des Reaktors 1, kam es zu einer ganzen Serie von Pannen, woraufhin RWE und E.ON die Verträge für ihre Stromimporte aus Temelín absagten.[10]

Drei größere Störfalle sind bekannt geworden, die alle auf Lecks in den Reaktoren zurückzuführen waren. Am 7. Juni 2004 traten 3.000 Liter radioaktive Kühlflüssigkeit aus dem Primärkreislauf des Reaktors 2 aus.[11] Nach mehreren Zwischenfällen aufgrund undichter Ölleitungen und Störungen an Turbinen flossen am 4. August 2006 im Reaktor 2 mehrere Tausend Liter kontaminiertes Wasser wegen einer halb offenen Armatur aus und wurden in ein Becken zur Reinigung geleitet.[12][13] In Österreich wurden Vorwürfe laut, dass der Betreiber von Temelín die Vorfälle herunterspiele.[14] Ende Februar 2007 liefen 2.000 Liter radioaktives Wasser aufgrund eines Lecks an einem Ventil aus, die in einem Becken aufgefangen wurden.[8]

2013 tauchten neue Zweifel an der Zuverlässigkeit von Temelín auf: In einem Gutachten des ehemaligen Abteilungsleiters Dieter Majer im Berliner Umweltministerium wurden Schweißnähte zwischen dem Reaktordruckbehälter und dem Primärkreislauf als mangelhaft angesehen.[15]

Am 22. Mai 2014 traten wegen eines undichten Verschlusses 150 Liter radioaktiven Wassers aus dem Atomkraftwerk aus, die aufgefangen werden konnten.[16] Im Juli 2014 musste Temelín-2 wegen des Ausfalls einer Wasserpumpe im nichtatomaren Bereich abgeschaltet werden. Da auch Temelín-1 wegen Wartungsarbeiten vom Netz genommen wurde, lieferte Temelín zeitweise keinen Strom.[17]

→ cez.cz: Kernkraftwerk Temelin (Homepage, via WayBack)

(Letzte Änderung: 22.04.2021)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Czech Republic abgerufen am 21. April 2021
  2. 2,0 2,1 2,2 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Temelin 1, Czech Republic abgerufen am 21. April 2021
  4. 4,0 4,1 Verivox: Hintergrund: AKW Temelin nach fünf Jahren Laufzeit weiter umstritten vom 7. Oktober 2005
  5. SPIEGEL 23/1986: Eins vor zwölf vom 1. Juni 1986
  6. DER SPIEGEL 30/1990: Ohne Megawatt keine Prämie vom 22. Juli 1990
  7. IAEO PRIS: TEMELIN-3 und TEMELIN-4 abgerufen am 4. Juni 2011 (via WayBack)
  8. 8,0 8,1 Spiegel Online: Störfall: Strahlendes Wasser aus Atomkraftwerk Temelin ausgetreten vom 1. März 2007
  9. Spiegel Online: AKW in Nachbarländern: Direkt hinter der Grenze lauert die Gefahr vom 27. März 2011
  10. DER SPIEGEL 25/2001: Absage nach Pannenserie vom 17. Juni 2001
  11. Spiegel Online: Pannen-Meiler Temelin: Tschechisches AKW leckt vom 7. Juni 2004
  12. Vienna Online: Tausende Liter verstrahltes Wasser vom 4. August 2006
  13. Deutsche Welle: Zweites Tschernobyl verhindert vom 4. August 2006
  14. Land Oberösterreich: Landeskorrespondenz Nr. 179 vom 4. August 2006 (via WayBack)
  15. DER SPIEGEL 37/2013: Neue Zweifel an Reaktorsicherheit vom 8. September 2013
  16. oe24.at: Wieder Panne im AKW Temelin vom 22. Mai 2014
  17. iwr: Atomkraftwerk Temelin fällt komplett aus vom 14. Juli 2014
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