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Energiekonzern in Japan

TEPCO head office

TEPCO-Zentrale in Tokio

Untrennbar verbunden mit der Fukushima-Katastrophe von 2011 ist der Name der Tokyo Electric Power Company (TEPCO).

Der Energiekonzern wurde am 1. Mai 1951 gegründet und ist in der japanischen Hautpstadt Tokio ansässig. Aufgabe der TEPCO Holding ist das Management der Unternehmensgruppe und der Erzeugung von Atomstrom, Wasserkraft und Erneuerbaren Energien.[1]

TEPCOs Einstieg in die Atomenergie begann am 26. März 1971, als der Reaktor 1 in Fukushima-Daiichi in Betrieb genommen wurde.[2]

Heute ist TEPCO Eigentümer der Atomkraftwerke Fukushima Daiichi (sechs Siedewasserreaktoren) und Fukushima Daini (vier Siedewasserreaktoren) in der Präfektur Fukushima sowie Kashiwazaki Kariwa (sieben Siedewasserreaktoren) in der Präfektur Niigata. Alle 17 Reaktoren wurden von den japanischen Unternehmen Toshiba und Hitachi hergestellt.[3] Vier Reaktoren in Fukushima-Daiichi wurden im Jahr 2011 durch das Erdbeben und den Tsunami zerstört, die übrigen 13 TEPCO-Reaktoren abgeschaltet. Sie liegen bis heute still.

Am 1. April 2015 wurden die Gesellschaften TEPCO Fuel & Power für Brennstoff und Wärmeenergie, TEPCO Power Grid für Stromübertragung und -verteilung sowie TEPCO Energy Partner für den Energiehandel gegründet.[1]

→ TEPCO: Homepage

Verflechtung mit Politik und Atomaufsicht

Die für Japan besonders enge Verflechtung von Politik, Atomindustrie und Kontrollgremien, die eine unabhängige und kritische Aufsicht der Atomkraftwerke weitgehend verhindert, gilt insbesondere auch für TEPCO als größten Energiekonzern Japans. Das Unternehmen verfügt über hervorragende Verbindungen zur Politik und zur Nationalen Atomsicherheitsbehörde NISA.[4]

So ist es seit Jahrzehnten gängige Praxis, dass Politiker nach der Pensionierung in die Privatwirtschaft überwechseln – auch zu TEPCO, wie der "Spiegel" 2011 berichtete. Toru Ishidam, ein ehemaliger Staatssekretär für Ressourcen und Energie, ließ sich nur vier Monate nach seinem Rücktritt als Berater von TEPCO engagieren. Ein ehemaliger Mitarbeiter im Industrieministerium, Susumu Shirakawa, hatte 2010 einen Posten als stellvertretender Direktor bei TEPCO angenommen.[4]

Schon vor Fukushima hatte sich in TEPCO zudem die Mentalität herausgebildet, Störfälle in Atomkraftwerken systematisch zu vertuschen. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten war so groß, dass man es nicht für nötig hielt, diese an die Regierung zu melden. Es wurden sogar Daten gelöscht und Inspektions- und Reparaturberichte gefälscht. Von den 1980er Jahren bis 2011 gab es reihenweise gefährliche Ereignisse in TEPCO-Atomkraftwerken, zum Teil mit Toten.[5] Scharfe Kontrollen durch die Aufsichtsbehörde hatte der Konzern, der im Großraum Tokio rund ein Drittel der japanischen Bevölkerung mit Energie belieferte, nicht zu fürchten.[4]

Verstaatlichung nach Fukushima

日本の黙示録 - Japan Apocalypse DDC3778.jpg

2009 hatte ein japanischer Forscher bereits vor der Gefährdung des AKWs Fukushima durch Tsunamis gewarnt, was der Konzern jedoch nicht ernst genomen hatte.[6]

Der GAU von 2011 kam für TEPCO in seinem Ausmaß völlig überraschend. Im Verbund mit der Regierung und den Medien verlegte sich der Konzern zunächst auf das Beschwichtigen. Das Austreten von Radioaktivität wurde anfangs geleugnet,[7] und erst zwei Wochen später gab TEPCO zu, dass im Reaktor 2 eine um den Faktor 100.000 erhöhte Strahlung gemessen wurde.[8]

Erst im Oktober 2012, also eineinhalb Jahre nach dem GAU, räumte TEPCO ein, die Öffentlichkeit über die Auswirkungen der Katastrophe bewusst belogen zu haben, aus Furcht, das Atomkraftwerk schließen zu müssen.[9]

Die Kosten des GAU wurden 2012 von TEPCO mit 97 Milliarden Euro angegeben; im Juli 2012 war der Konzern zahlungsunfähig.[10] Die japanische Regierung ließ TEPCO jedoch nicht fallen. Dieser hätte Insolvenz anmelden müssen, wenn Japan 2012 nicht mehr als 50 % der Stimmrechte übernommen und den Konzern de facto verstaatlicht hätte.[11] Im Oktober 2013 lagen die Schätzungen über die Schadenhöhe bereits bei 187 Mrd. Euro,[12] Tendenz steigend.

2013 wurde das Verhalten von TEPCO und Hunderten von Subunternehmen kritisiert. Zur Dekontaminierung werde "ein dubioses, undurchschaubares Geflecht aus Hunderten Firmen und Subunternehmen" eingesetzt, das zum Teil keine Erfahrung mit Radioaktivität habe und Arbeiter aus sozialen Randgruppen ausbeute.[13]

(Letzte Änderung: 31.10.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 TEPCO: Profile / TEPCO at a Glance abgerufen am 18. April 2017
  2. TEPCO: History abgerufen am 18. April 2017
  3. TEPCO: Nuclear / TEPCO-Power Plants abgerufen am 18. April 2017
  4. 4,0 4,1 4,2 Spiegel Online: Japans Atomgigant Tepco - Filz, Vetternwirtschaft, Fukushima vom 31. März 2011
  5. Spiegel Online: Wie Atomgigant Tepco Pannen in Serie vertuschte vom 22. März 2011
  6. Zeit Online: Tepco missachtete Tsunami-Warnung vom 26. März 2011
  7. Zeit Online: Kein Grund zur Sorge, liebe Bürger vom 23. Dezember 2011
  8. n-tv.de: Die Welt rätselt über Fukushima - IAEA und WHO halten Berichte zurück vom 1. April 2011
  9. welt.de: Fukushima-Betreiber gibt bewusste Lüge zu vom 12. Oktpber 2012
  10. heise.de: Fukushima-GAU wird sehr teuer vom 8. November 2012
  11. tagesschau.de: Tepco gehört jetzt Japan vom 9. Mai 2012 (via WayBack)
  12. Focus Online Money: Einheitliche Versicherung - Oettinger fordert Haftpflicht für Atomkraftwerke vom 31. Oktober 2013
  13. ORF: TEPCO - Spitze einer fragwürdigen Pyramide vom 25. Oktober 2013
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