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Strahlung, Grenzwerte, Gesundheitsgefährdung > Strahlenmessgeräte

Hintergrund

Geigerzähler mit Dosisleistungsanzeige in Minamisoma, Präfektur Fukushima (Japan)

Strahlenmessgeräte sind auch unter den Begriffen Strahlungsmessgeräte, Geiger-Müller-Zählrohre, Geigerzähler, Dosimeter oder Radioaktivitätssensoren bekannt.

Erste, zunächst sehr ungenaue Strahlenmessgeräte, wurden bereits im frühen 20. Jahrhundert eingesetzt. Ein weiterentwickeltes Zählrohr präsentierten Hans Geiger und Walter Müller im August 1928. Heute werden Strahlenmessgeräte insbesondere verwendet, um vor den Gefahren ionisierender Strahlung zu warnen.[1]

Leichtfertiger Umgang

Problematisch bei Strahlenmessgeräten ist, dass sie leicht zu manipulieren sind, nicht immer dort, wo es notwendig wäre, verwendet werden und manchmal nur ungenaue Messungen ermöglichen.

Im 1985 berichte der "Spiegel" über Recherchen des kritischen Autors Günter Wallraff, bei denen sich herausstellte, dass Dosimeter laut DGB "Strahlungen in Teilbereichen nur unzureichend" messen können. Und: "Keineswegs ungewöhnlich scheint es, daß Hilfskräfte die Dosimeter manipulieren, wenn sie befürchten, wegen zu hoher Strahlenbelastung den Job zu verlieren." Fremdarbeiter in den Atomkraftwerken Stade und Unterweser wurden bei ihrer Tätigkeit einer fünffach höheren Strahlung ausgesetzt als das Stammpersonal. Die Folge: ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Betreiber von Atomanlagen wiesen die Darstellung Wallraffs als überzogen zurück.[2]

Im Jahre 2002 kritisierte die Ärzteorganisation IPPNW, dass das Institut für Transurane die radioaktive Verseuchung der Elbmarsch bei Geesthacht nicht verifizieren konnte. Das Institut für Transurane hatte bekannt gegeben, dass es nicht in der Lage wäre, Uran oder Transurane aufgrund unzureichender Empfindlichkeit der Messgeräte zu messen.[3]

2009 wandte sich ein früherer Mitarbeiter der Asse mit zwei anderen an Krebs erkrankten Kollegen an die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Sie erklärten, dass die Mitarbeiter in der Asse weder Dosimeter noch Schutzkleidung getragen hätten.[4]

2012 wurde berichtet, dass mehrere Arbeiter bei Aufräumarbeiten im zerstörten AKW Fukushima Daiichi (Japan) "auf Druck Vorgesetzter" ihre Messgeräte manipulieren mussten, um niedrigere Strahlung vorzutäuschen und länger in der Anlage arbeiten zu können.[5]

Möglichkeit von Hackerangriffen?

Im Juli 2017 fand ein Hacker heraus, dass Messgeräte einiger Hersteller wegen Sicherheitslücken so manipuliert werden können, dass sie falsche Werte übermitteln oder sogar eine Datenübermittlung unterbinden. Dies könne es beispielsweise erschweren, eine atomare Kernschmelze zu verhindern, da "ein normales Radioaktivitätslevel vorgegaukelt wird, obwohl die Strahlung bereits ein kritisches Maß erreicht hat".[6]

Fehlerhafte Messwerte hatten bereits 1979 dazu beigetragen, dass sich der Atomunfall im AKW Harrisburg/Three Mile Island in den USA ereignen konnte. Die Techniker im Kontrollraum hatten Probleme, "den sich anbahnenden Unfall zu registrieren." Ursachen damals waren "Konstruktionsmängel, schlechte Ausstattung des Kontrollraums und menschliches Versagen".[6]

Sicherheitslücken in den Funkmodulen älterer mobiler Strahlenmessgeräte könnten es Kriminellen außerdem ermöglichen, radioaktive Substanzen durch Kontrollen zu bringen oder Fehlalarme in Atomkraftwerken auszulösen. Davon sind weltweit zehntausende Messgeräte betroffen, die ihre Daten an eine Basisstation funken. Laut Hersteller sei eine Beseitigung der Sicherheitslücke nicht möglich; der Anwender selbst müsse daher für eine sichere Datenübertragungsverbindung sorgen.[7]

Bei stationären Strahlenmessgeräten, die beispielsweise beim Scannen von Personen bis hin zu Lastwägen zum Einsatz kommen, könnten sich Hacker – durch ein im Quellcode fest hinterlegtes Passwort – alle Rechte eines Administrators verschaffen. "Schmuggler könnten dem Gerät das Erkennen von bestimmten Isotopen verbieten, die sie über eine Grenze oder aus einem Hafen heraus schleusen wollen." Ein Update ist auch hier nicht vorgesehen, da die Messgeräte "ausschließlich in gesicherten Bereichen stünden" und damit ein unbemerkter Aufbau der Netzwerkverbindung nicht möglich sei.[7]

(Letzte Änderung: 07.03.2020)

Einzelnachweise

  1. uni-stuttgart.de: 2. Der Geigerzähler abgerufen am 30. Juli 2017 (via WayBack)
  2. DER SPIEGEL 1/1986: Wallraff und der Mord auf Raten vom 30. Dezember 1985
  3. IPPNW: Karlsruher Institut für Transurane kann kein Uran messen - Transurane auch nicht vom 20. Juni 2002 [via WayBack]
  4. Weserkurier: Studie belegt geringe Strahlungsbelastung vom 10. Februar 2011
  5. n-tv.de: Skandal in Fukushima - Arbeiter mogeln bei Grenzwerten vom 21. Juli 2012
  6. 6,0 6,1 derStandard.at: Hackbare Strahlungssensoren gefährden AKW-Sicherheit vom 27. Juli 2017
  7. 7,0 7,1 heise.de: Black Hat: Strahlungsmessgeräte per Funk manipulierbar vom 27. Juli 2017
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