Atomenergie in Europa > Spanien

Reaktoren in Betrieb: 7 • im Bau: - • stillgelegt: 3[1]


Sieben Reaktoren in Betrieb

Königlicher Palast und Almudena-Kathedrale in Madrid (Spanien)

Spanien startete mit einer ersten Initiative zur Einführung der Atomkraft 1947 und war 1957 ein Gründungsmitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).[2][3]

Am 17. Januar 1966 stürzte ein Langstreckenbomber der USA über Palomares ab, wobei zwei Wasserstoffbomben zerplatzten und die Umgebung mit Plutonium radioaktiv verseuchten: → Palomares, Spanien 1966.

In den 1960er und 1970er Jahren wurden die ersten kommerziellen Atomkraftwerke errichtet.[2] 1974 wurde angekündigt, dass Spanien ab Beginn des neuen Jahrzehnts über 23 Atomkraftwerke verfügen würde. Neben den bereits fertiggestellten AKW José Cabrera (Zorita), Garoña und Vandellós I und weiteren vier fast fertiggestellten Anlagen wurden 16 zusätzliche Baupläne initiiert.[4]

Die Demokratisierung in Spanien führte ab 1977 jedoch zu Diskussionen im Parlament und in den Medien sowie zu Protesten auf der Straße. Hinzu kamen zu hohe und risikoreiche Investitionen in die Atomkraft, Finanzierungsschwierigkeiten und eine Abwertung der Landeswährung. Die sieben im Bau befindlichen Reaktoren wurden im Nationalen Elektrizitätsplan 1979 zwar bestätigt, die Genehmigung der restlichen Anlagen aber auf eine entferntere Zukunft verschoben.[5] 1984 setzte schließlich die damalige Regierung ein Moratorium (Baustopp) für die geplanten AKW Valdecaballeros, Lemóniz und Trillo-2 in Kraft. 1994 wurden diese Projekte endgültig aufgegeben.[6]

Derzeit liefern in Spanien sieben Reaktoren an den fünf Standorten Almaraz, Ascó, Cofrentes, Trillo und Vandellós Energie. Drei ältere Reaktoren wurden stillgelegt: José Cabrera-1 (Betrieb: 1968 bis 2006), Vandellos-1 (Betrieb: 1972 bis 1990) und Santa María de Garoña (Betrieb: 1970 bis 2013). Der letzte Neubau wurde 1988 in Betrieb genommen.[1]

Die schwersten zivilen Atomunfälle waren ein Turbinenbrand, der sich 1989 im Reaktor Vandellós-1 ereignete und bei dem nur mit Glück ein GAU verhindert werden konnte, sowie 2007 ein Austritt radioaktiven Wassers im Reaktor Ascó.

Standorte mit aktiven Reaktoren:
Almaraz
Ascó
Cofrentes
Trillo
Vandellós

Standorte mit stillgelegten Reaktoren:
José Cabrera
Santa María de Garoña

Standorte mit nicht realisierten Reaktoren (Auswahl):
Cabo Cope
Escatrón
Lemóniz
Regodola
Santillán
Sayago
Tarifa
Valdecaballeros

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Spanien besaß vier Forschungsreaktoren, die alle stillgelegt wurden.[7] Seit 1997 betreibt das Land eine Anlage zur Erforschung der Kernfusion. → TJ-II

Ausstieg bis 2035?

In einer Meldung vom Oktober 2011 wurde darauf hingewiesen, dass die spanische Bevölkerung die Atomenergie mit klarer Mehrheit ablehnte. Auch die Regierung sprach sich zwar seit Jahren offiziell gegen Atomkraft aus, exportierte aber weiterhin Nukleartechnologie in Entwicklungsländer.[8]

Im ersten Quartal 2013 konnte Spanien 70 % seines Strombedarfs durch erneuerbare Energien decken. Da zu viel Strom produziert wurde, sollte die Grundlast der Atomkraftwerke um 20 % gesenkt werden.[9] 2013 wurde die Windenergie zum ersten Mal zur wichtigsten Quelle für die Energieerzeugung und hat die Atomkraft knapp überholt.[10]

Die kanarische Insel El Hierro wollte noch 2014 zu 100 % auf Ökostrom umzusteigen. Da mehr als 600 Mio. Menschen auf weltweit 175.000 Inseln wohnen, wird die Insel von vielen Regierungsvertretern anderer Staaten besucht.[11]

Im November 2018 erklärte der Energieminister José Dominguez der sozialistischen Regierung, dass ein Ausstieg aus Atomkraft und Kohle bis 2030 geplant sei.[12]

Anfang 2019 vereinbarten die Regierung, die Betreiber und Enresa, die Agentur für Stilllegung und Atommüll, den Entwurf eines nationalen Energie- und Klimaplans, der einen Zeitplan für den Atomausstieg bis 2035 festlegt.[6]

Umstrittenes Zwischenlager

Im Juli 2015 wurde berichtet, dass die konservative Volkspartei offenbar noch vor den Wahlen im Herbst den geplanten Standort Villar de Cañas in Kastilien-La Mancha als Zwischenlager für Atommüll durchdrücken und nach Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde CSN eine Umweltverträglichkeitsprüfung abgeben wollte. Umweltschützer kritisierten, dass der Untergrund des Standortes noch nicht geotechnisch überprüft wurde und es sich um ein Überschwemmungsgebiet handelt; erst kürzlich sei das Gelände überflutet worden. Unter Verschluss gehaltene Studien weisen darauf hin, dass bei einem Unfall wegen unterirdischer Quellen eine Verseuchung von Trinkwasser drohe.[13]

Als Reaktion darauf weitete die Regionalregierung von Kastilien-La Mancha 2015 ein Naturschutzgebiet aus, das damit auch den geplanten Standort des Zwischenlagers umfasste, und blockierte so das Vorhaben.[14]


(Letzte Änderung: 03.06.2021)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEA: PRIS - CountryStatistics/Spain abgerufen am 30. Mai 2021
  2. 2,0 2,1 IAEO: Country Nuclear Power Profiles/Spain abgerufen am 3. Juni 2016
  3. IAEO: Member States abgerufen am 30. Mai 2021
  4. heraldo.es: El pueblo que votó 'sí' a la instalación de una central nuclear en Aragón vom 8. Juni 2017
  5. ub.edu: ¿ESPAÑA NUCLEARIZADA?ORIGEN, DESARROLLO Y ACTORES DE LA ENERGÍA ELECTRO-NUCLEAR, C. 1950-1985 abgerufen am 30. Mai 2021
  6. 6,0 6,1 WNA: Nuclear Power in Spain abgerufen am 1. Juni 2021
  7. IAEO: Research Reactors/Countries: Spain abgerufen am 30. Mai 2021
  8. presseeurop: Ja zur Atomkraft, aber bitte nicht bei uns vom 4. Oktober 2011 (via WayBack)
  9. heise.de: Portugal deckt 70% des Stroms über erneuerbare Energien vom 3. April 2013
  10. diepresse.com: Wind in Spanien erstmals wichtigste Energiequelle vom 15. Januar 2014
  11. green-wiwo.de: Kanaren-Insel setzt auf 100 Prozent Grünstrom vom 19. Mai 2014
  12. euractiv.de: Spanien will bis 2030 aus Kohle- und Atomkraft aussteigen vom 20. November 2018
  13. heise.de: Mit Vollgas zum spanischen Atomlager vom 18. Juli 2015
  14. heise.de: "Krieg" um das spanische Atomlager vom 30. Juli 2015
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