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Version vom 14. Februar 2017, 17:11 Uhr

Atomenergie in Europa > Russland > Sewersk/Tomsk-7, ehemalige Sowjetunion 1993
Weitere Atomunfälle und Störfälle > Sewersk/Tomsk-7, ehemalige Sowjetunion 1993

6. April 1993 • Explosion eines Tanks, Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Atmosphäre,
großflächige Kontamination • INES-Stufe 4 (Unfall)[1][2]


Kontrollstelle zur gesperrten Stadt Sewersk

Kühltürme von Tomsk-7

Die Stadt Seversk mit Blick auf die Kühltürme

Das Sibirische Chemiekombinat Sewersk, früher bekannt als Tomsk-7, befindet sich rund 3.000 Kilometer östlich von Moskau am Fluss Tom, ungefähr 17 Kilometer nördlich der Oblast-Hauptstadt Tomsk. Die kerntechnische Anlage, mit deren Bau 1949 begonnen wurde, enthält Reaktoren, in denen ab 1952/1955 Plutonium und angereichertes sowie hochangereichertes Uran für militärische und zivile Zwecke produziert wurden.[3][2] Der letzte dieser Reaktoren wurde 2008 abgeschaltet.[4]

1993 war es zu einer Explosion gekommen, bei der die Umgebung radioaktiv verseucht wurde.

"Am 6. April 1993 explodierte im Sibirischen Chemiekombinat Sewersk/Tomsk-7 ein Tank der Uran- und Plutoniumfabrik. In die Atmosphäre geschleuderte radioaktive Partikel kontaminierten ein Gebiet von über 120 Quadratkilometern. Zahlreiche Dörfer mussten evakuiert werden, sie sind dauerhaft unbewohnbar. Noch heute leiden die Menschen in der Region an den Folgen. Viele zeigen dieselben Symptome wie die Opfer von Tschernobyl und Majak: Krebs, Blutkrankheiten, Schädigung des Erbguts."[2]

"Entsorgung" des Atommülls und der Untersuchungsberichte

33 Millionen Kubikmeter flüssiger radioaktiver Abfälle wurden einfach im Boden vergraben – in wasserführenden Schichten. "Die Radioaktivität in der Nähe des Flusses Tom beträgt das bis zu 30fache der normalen Hintergrundstrahlung in der Region. Außerdem wurden im Boden erhöhte Konzentrationen an Kobalt-58, Chrom-51, Zink-65 und "jede Menge Plutonium gefunden". Die Konzentration an Cäsium-137 im Grundwasser ist so hoch wie im verstrahlten Tschernobyl."[5]

Drei Tage nach dem schweren Atomunfall ordnete der damalige Präsident Boris Jelzin eine Sicherheitsüberprüfung der Anlage an, die erst im Oktober in Tomsk-7 eintraf und deren Ergebnisse ebenfalls ´entsorgt´ wurden. "Am 1. November unterschrieb der Vizechef der Atomaufsicht, Jurij Subkow, den Bericht, von dem es nur fünf Exemplare gibt. Sie verschwanden in den Schubladen der staatlichen Atommafia."[6]

Der Unfall wurde von der IAEO 1998 noch mit der INES-Stufe 3 klassifiziert[3], in aktuelleren Medienberichten, denen wir uns anschließen, jedoch mit der Stufe 4.[1][7]

Am Standort sind heute mehrere Atomkraftwerke zur Stromerzeugung geplant.

Sewersk (Russland)

(Letzte Änderung: 14.02.2017)

Einzelnachweise