AtomkraftwerkePlag Wiki
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Interessante Fakten auf einen Blick


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Schon gewusst, dass...



  • sich zahlreiche AKW-Standorte am Pazifischen Feuerring, einem Vulkangürtel, befinden?

    Erdbebengefährdete Gebiete

    Weltweit stehen zahlreiche Atomkraftwerke in erdbebengefährdeten Gebieten.[1] Starke Erdbeben treten beispielsweise immer wieder entlang des Pazifischen Feuerrings auf. In der Region um Los Angeles lebt man seit Jahren in Erwartung des großen Bebens, des sogenannten Big One. Völlig davon unbeeindruckt wurde das AKW Diablo Canyon zwischen San Francisco und Los Angeles auf einer seismischen Verwerfung errichtet.[2] Und damit unweit des San-Andreas-Grabens, der die pazifische von der nordamerikanischen Erdplatte trennt.


  • die Verklappung von Atommüll im Atlantik verboten wurde, nicht jedoch die Einleitung radioaktiver Abwässer?

    Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague, Frankreich

    Zwischen 1946 und 1992 warfen viele Ländern, darunter auch Deutschland, ihren radioaktiven Abfall einfach ins Meer, eine Praxis, die erst 1993 durch ein internationales Abkommen verboten wurde. Der radioaktive Abfall wurde für die Verklappung in Fässer gefüllt, die nun nach und nach durchrosten und auseinanderbrechen.[3]

    Die Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague darf bis heute ihre radioaktiven Abwässer über Rohre ins Meer pumpen, da dies keine Verklappung (Fässer) darstellt.[3] 2020 wurde Greenpeace in der Deutschen Welle dahingehend zitiert, dass aus La Hague jährlich immer noch 33 Mio. Liter radioaktive Abwässer ins Meer geleitet werden. Zudem seien "Laut einer Studie des Europäischen Parlaments [...] die statistischen Krebsraten in der Region um La Hague deutlich erhöht."[4]


  • ein fertiggebautes AKW wegen Sicherheitsbedenken nicht in Betrieb genommen wurde?

    AKW Zwentendorf, Österreich

    In den 1970er Jahren sollten in Österreich mehrere Atomkraftwerke errichtet werden, von denen aber nur die Anlage Zwentendorf in Bau ging.

    April 1972, kurz nach Baubeginn, ereignete sich ein starkes Erdbeben mit der Stärke 5,3 auf der Richterskala. Das AKW wurde so stark beschädigt, dass die Grundmauern abgerissen und noch einmal neu aufgebaut werden mussten.[5]

    Trotz Protesten aus der Bevölkerung und aus Teilen der Politik wurde das AKW weitergebaut, und das Gesundheitsministerium bewilligte die Lagerung von Brennelementen. Diese wurden Januar 1978 angeliefert.[6] Bei einer Volksabstimmung im November 1978 entschied sich schließlich eine knappe Mehrheit von 50,47 % der Bürger dagegen, das Atomkraftwerk in Betrieb zu nehmen.[7][8] Einer der Gründe für die Ablehnung war, dass Konstruktionsmängel am Reaktorsicherheitsbehälter festgestellt worden waren: Es befanden sich Schweißnähte an Stellen, die im Betrieb besonders starker Belastung ausgesetzt worden wären. Wäre der Druckbehälter deswegen zerbrochen, hätte sich ein katastrophaler Atomunfall ereignen können.[9]


  • in Deutschland Atomkraftwerke errichtet wurden, deren Bauzeit länger war als deren Betriebsdauer?

    AKW Niederaichbach, 6 Jahre Bauzeit, 19 Monate Betrieb, 18 Tage Stromeinspeisung

    Das AKW Niederaichbach lieferte nach sechs Jahren Bauzeit während eineinhalb Jahren Betriebszeit nur 18 Tage Strom und wurde aus wirtschaftlichen und technischen Gründen abgeschaltet.[10][11][12] Den Baukosten von 230 Mio. Deutsche Mark standen Kosten für Stilllegung und Rückbau von 280 Mio. Deutsche Mark gegenüber.[13]

    Das AKW Hamm-Uentrop konnte erst nach 12 Jahren Bauzeit fertiggestellt werden.[14] Nach einem Jahr Leistungsbetrieb wurde der Reaktor aus technischen und wirtschaftlichen Gründen wieder abgeschaltet.[15][16] Der Staat subventionierte das AKW mit 90 % der Baukosten.[17] Für Bau, Betrieb und Stilllegung wurden laut der Bundesregierung 2,43 Mrd. Euro ausgegeben. Die Kosten für Rückbau, Zwischen- und Endlagerung werden auf weitere 675 Mio. Euro geschätzt.[18]

    Am 17. August 2012 wurde bei einer Präsentation der World Association of Nuclear Operators (WANO), einer internationalen Interessensvertretung der Betreiber von Atomkraftwerken, berichtet, dass sich am 24. November 1989 eine partielle Kernschmelze in Greifswald 5 ereignet habe. Das Ereignis sei als Unfall der INES-Stufe 4 klassifiziert worden.[19][20] Baubeginn von Greifswald 5 war Dezember 1976. Der Reaktor lieferte nur vom 1. bis 24. November 1989 Strom.[21][16]


  • in Europa ein AKW illegal und ohne Beachtung von Sicherheitsmaßnahmen gebaut wurde?

    Unvollendetes AKW Lemóniz, Spanien

    Nahe der nordspanischen Stadt Lemóniz war ein Atomkraftwerk mit zwei Reaktoren geplant.[22] Die Bauarbeiten der zwei Reaktoren begannen je nach Angaben 1972 und/oder 1974, die Inbetriebnahme war für 1976 bzw. 1978 vorgesehen. Das Atomkraftwerk wurde jedoch nie fertiggestellt.[23][24][25] Die Baumaßnahmen waren eingeleitet worden, ohne dass eine Baugenehmigung vorgelegen hatte oder Sicherheitsmaßnahmen beachtet worden waren.[26]

    Das Projekt sah sich massiven Protesten aus der Bevölkerung ausgesetzt. Am 24. Juli 1977 demonstrierten 200.000 Menschen gegen die Errichtung der Anlage.[27] Zudem kam es zu Anschlägen durch die baskische Separatistenorganisation ETA.[26][28] Am 1. April 1984 wurden die Baumaßnahmen am fast fertiggestellten AKW Lemóniz eingestellt. 1994 wurde das Projekt endgültig aufgegeben.[29][24]


  • es ein "mindestens haltbar bis" für Castorbehälter gibt?

    CASTOR im Bahnhof Basel, Schweiz

    Castoren sind Spezialbehälter, die für Lagerung und den Transport radioaktiver Materialien verwendet werden.[30] Für eine langfristige sichere Lagerung eignen sich Castoren nur bedingt. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wird eine Mindesthaltbarkeit von nur 40 Jahren garantiert. Danach müssen Castoren ständig überwacht und wieder einer Prüfung und Genehmigung unterzogen werden.[31] Ein Castor-Behälter kostete 2013 rund zwei Mio. Euro.[30]


  • Quallen den Betrieb von Atomkraftwerken beeinträchtigen?

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    Eine kurze Auswahl an Vorkommnissen:

    Hamaoka (Japan): Am 20. Juli 2006 verstopfte ein Schwarm Quallen einen Filter, der Meereswasser zur Kühlung des AKW reinigt. Die Leistung des AKW musste auf 60 % zurückgefahren werden.[32]

    Shimane (Japan): Im Juli 2010 wurde Shimane wegen einer Invasion von Quallen heruntergefahren.[33]

    Torness (Großbritannien): Am 30. Juni 2011 mussten beide Reaktoren vorübergehend heruntergefahren werden, weil Quallen die Filter des Kühlsystems verstopften.[34]

    St. Lucie (USA): Am 22. August 2011 musste das AKW wegen eines massiven Zustroms von Quallen in drei Ansaugpumpen für zwei Tage abgeschaltet werden.[35]

    Diablo Canyon (USA): Am 26. April 2012 musste Diablo-Canyon-2 abgeschaltet werden, da quallenartige Tiere die Meerwasser-Ansaugleitungen verstopft hatten.[36]

    Oskarshamn (Schweden): Da Quallen im Oktober 2013 massenhaft in die Anlage eindrangen, musste Reaktor 3 heruntergefahren werden. "Zahllose Weichtiere drangen in den Kühlkreislauf des Reaktors ein und verstopften die Filter in den Rohren, durch die kaltes Ostseewasser in die Turbinen der Anlage gepumpt wird." Dies ist kein Einzelfall, der Reaktor muss jeden Herbst von Quallen befreit werden.[37]
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(Letzte Änderung: 19.06.2021)

Einzelnachweise

  1. Sueddeutsche.de: Die gefährlichsten AKW-Standorte der Welt vom 7. März 2012
  2. WNA Reactor Database: Diablo Canyon 1, United States Of America abgerufen am 7. April 2016
  3. 3,0 3,1 greenpeace.de: Report Mainz: Strahlende Altlast im Atlantik vom 1. November 2011
  4. Deutsche Welle: Atommüll und Fukushima: Das Meer als perfektes Endlager für nukleare Abfälle? vom 11. März 2020
  5. ots.at: 1972: Erdbeben zerstört Atomkraftwerk Zwentendorf. 2012: GLOBAL 2000 lässt Zwentendorf erneut erbeben. vom 15. April 2012
  6. Demokratiezentrum Wien: Das Atomkraftwerk Zwentendorf: Bau, Proteste, Volksabstimmung abgerufen am 4. Juli 2015
  7. FAZ.net:Österreich und Atomkraft - Ausstieg vor dem Einstieg vom 7. November 2013
  8. bmi.gv.at: Volksabstimmung vom 5. November 1978 über ein Bundesgesetz zur friedlichen Nutzung der Kernenergie in Österreich (Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes Zwentendorf) abgerufen am 11. Dezember 2018 (via WayBack)
  9. Spiegel Online: Längere AKW-Laufzeiten: Forscher warnen vor porösen Altmeilern vom 23. September 2010
  10. DER SPIEGEL 41/1979: Eventuell Radi vom 7. Oktober 1979
  11. Strahlenschutzkommission: Demontage und Beseitigung des Kernkraftwerkes Niederaichbach vom 18. April 1986
  12. WNA: Niederaichbach, Germany abgerufen am 18. Juni 2021
  13. Deutscher Bundestag: Drucksache 13/721 vom 9. März 1995 (via WayBack)
  14. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 322.
  15. WNA: THTR-300, Germany abgerufen am 18. Juni 2021
  16. 16,0 16,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 26. September 2020
  17. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013, S. 131
  18. Focus Online: Bau, Betrieb und Stilllegung für 2,43 Milliarden Euro vom 15. November 2013
  19. jaif.or.jp: Lessons learned WANO action to improve Nuclear Safety vom 17. August 2012
  20. WNA: Nuclear Power in Germany abgerufen am 2. Dezember 2012
  21. WNA: Greifswald 5, Germany abgerufen am 18. Juni 2021
  22. nuclear-energy.net: Nuclear power plant of Lemóniz I and II, Spain abgerufen am 2. Juni 2021
  23. IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  24. 24,0 24,1 IAEO: LEMONIZ-1 und LEMONIZ-2 abgerufen am 27. Februar 2015 (via WayBack)
  25. IAEO: Country Nuclear Power Profiles/Spain, Seite 66 abgerufen am 3. Juni 2016 (via WayBack)
  26. 26,0 26,1 DER SPIEGEL 21/1982: Pistole im Genick vom 23. Mai 1982
  27. elpais.com: Tres centrales nucleares funcionan hoy en España vom 1. April 1979
  28. ncfpd.umn.edu: A Global Chronology of Incidents of Chemical, Biological, Radioactive and Nuclear Attacks: 1950-2005 vom 7. Juli 2006 (via WayBack)
  29. WNA: Nuclear Power in Spain abgerufen am 1. Juni 2021
  30. 30,0 30,1 Deutsche Welle: Castor-Behälter haben Konjunktur vom 29. Juli 2013
  31. BfS: Hochradioaktive Abfälle (Textfassung) vom 5. Mai 2015 (via WayBack)
  32. Spiegel Online: Japan: Quallenhorde legt Atomkraftwerk lahm vom 20. Juli 2006
  33. ibitimes.com: Jellyfish Invade Four Nuclear Reactors in Japan, Israel, Scotland vom 10. Juli 2011
  34. Spiegel Online: Schottland: Quallen legen Atomkraftwerk lahm vom 30. Juni 2011
  35. PalmBeachPost: Jellyfish swarm shuts down St. Lucie nuclear power plant vom 8. Dezember 2011 (via WayBack)
  36. RP Online: Ansaugleitung verstopft - Quallen-Invasion bremst US-AKW vom 27. April 2014
  37. Süddeutsche.de: Quallen legen Atomreaktor lahm vom 2. Oktober 2013
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