Die Lobbyisten > Schmidt-Küster, Wolf-J.

"Schmidt-Brüters" Tätigkeiten in Bundesministerien

Dr. Wolf-J. Schmidt- Küster, der zunächst in der Petrochemie tätig war, sammelte über 30 Jahre Erfahrung in der Energie- und Umweltpolitik und arbeitete in verschiedenen Bundesministerien. Als Ministerialdirektor der Abteilung Energie, Rohstoffe und Umwelt Im Bundesministerium für Forschung und Technologie bestimmte er die Entwicklung der Atomkraft in Deutschland maßgeblich mit. Nach Beginn der Ölkrise 1973 war er übergreifend für die Energieforschung und - entwicklung sowie für das Umweltforschungsprogramm und neue Umwelttechnologien zuständig. Er leitete deutsche und internationale Projekte in den Bereichen Energie und Umwelt. 1974 bis 1978 leitete Schmidt-Küster das Komitee für Energieforschung und -entwicklung der europäischen Lobbyorganisation Nuclear Energy Agency (NEA).[1]

1982 verlor SPD-Mitglied Schmidt-Küster unter Forschungsminister Heinz Riesenhuber seinen Posten als Ministerialdirektor, weil die für Forschungspolitik zuständigen SPD-Abgeordneten ihn als Berater ablehnten. Der Grund: "Im Forschungsministerium hat sich der hohe Beamte sehr einseitig und undifferenziert für die Kernenergie und vor allem für den umstrittenen Schnellen Brüter engagiert. Diese Haltung hatte Schmidt-Küster den Beinamen Schmidt-Brüter eingetragen."[2]

FORATOM-Generalsekretär

Schmidt-Küster vertrat von 1996 bis 2001 als Generalsekretär der Lobbyorganisation Europäisches Atomforum (FORATOM) die Interessen der europäischen Atomindustrie.[1] Wie der Asse-Untersuchungsausschuss dokumentierte, veranstaltete Schmidt-Küster in jener Zeit "intensive "Kaminrunden“ und Beratungsrunden mit der Industrie auf Minister- und Abteilungsleiterebene".[3]

1988 erhielt Schmidt-Küster vom Umweltminister Klaus-Töpfer noch einmal einen Beratungsauftrag für sein Unternehmen im Bereich Atommüll und Endlager. "Für 700 000 Mark pro Jahr soll die Bonner Energie Consult GmbH im Sinne Töpfers "ohne Weisungsrecht" als Projektbegleiter tätig werden."[4]

1999 prophezeite Schmidt-Küster in einer Rede mit dem Titel "Kernenergie und Europa", dass die Atomkraft auch im 21. Jahrhundert eine wichtige Rolle "bei der Erzeugung von konkurrenzfähigem und umweltfreundlichem, emissionsfreiem Grundlaststrom" spielen würde. Für ein Wiederaufleben der Atomenergie seien Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie mehr Akzeptanz notwendig.[5]

Schmidt-Küster wird außerdem als Autor der Internet-Plattform Energie-Fakten.de geführt, die die Nutzung der Atomkraft propagiert.[1]

2009 wurde Schmidt-Köster im Asse-Untersuchungsausschuss befragt. Darin erklärte er, dass er Atomkraft nach wie vor für eine "vernünftige Sache" halte, wenn die Entsorgung geklärt sei. Gorleben sei für ihn "ein idealer Standort", wohingegen die Asse von Anfang an ungeeignet gewesen sei. Schmidt-Küster sprach sich dafür aus, Atommüll rückholbar zu lagern, um diesen später wieder nutzen zu können. Die Stellungnahmen Schmidt-Kösters zur Asse sind im Detail nachzulesen unter:

→ anti-atom-aktuell.de: NIEDERSÄCHSISCHER LANDTAG 16. WAHLPERIODE Niederschrift über den öffentlichen Teil der 15. Sitzung des 21. Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (Vernehmung des Zeugen Dr. Wolf-Jürgen Schmidt-Küster) am 1. Oktober 2009

(Letzte Änderung: 02.02.2020)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 energie-fakten.de: Wolf-J. Schmidt-Küster abgerufen am 21. April 2014 (via WayBack)
  2. Zeit Online: Bonner Kulisse vom 29. Oktober 1982
  3. Landtag Niedersachsen: Bericht des 21. Parlamentarischen Untersuchungsausschuss und Minderheitenberichte: Drucksache 16/5300 vom 18. Oktober 2012
  4. DER SPIEGEL 33/1988: Schmidt-Brüter wieder da vom 15. August 1988
  5. nuklearforum.ch: 40. ordentliche Generalversammlung der SVA: Kernenergie spielt auch im 21. Jahrhundert eine wichtige Rolle vom 30. August 1999
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.