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Atomenergie in Europa > Ukraine > Saporischschja (Ukraine)

6 Druckwasserreaktoren • Leistung: 6 x 1.000 MW • Typ: 6 x WWER V-320 •
Hersteller: Minatomenergo • Baubeginn: 1980/1981/1982/1983/1985/1986 •
Inbetriebnahme: 1984/1985/1986/1987/1989/1995 •[1][2] Abschaltung: offen


AKW Saporischschja (Ukraine)

Für diesen Standort gibt es verschiedene Schreibweisen: Saporischschja, Saporischja, Saporoschje, Zaporozhe, Zaporizhzhya, Zaporizhia, Zaporozhye. Die im deutschen Sprachraum gängigste Schreibweise scheint Saporischschja zu sein.

Saporischschja ist das größte Atomkraftwerk Europas. Es befindet sich in der gleichnamigen südostukrainischen Region am Ufer des Kakhovka-Wasserreservoirs. Dort liefern sechs Reaktoren sowjetischer Bauart, die 1984/1985/1986/1987/1989/1995 in Betrieb gegangen sind, 6.000 MW Strom. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die staatliche ukrainische National Nuclear Energy Generating Company "Energoatom" (NNEGC). Hersteller war Minatomenergo.[1][3][2]

2015 wurden Bedenken gegen das Lager für gebrauchten Brennstoff am Standort laut. Über 3.000 abgebrannte Brennelemente werden in Metallbehältern in hoch aufragenden Betoncontainern in einem Freilufthof deponiert. Sie sind nur 200 Kilometer von der Frontlinie im Donbass entfernt und könnten leicht Ziel eines Angriffs werden.[4]

Im September und Oktober 2016 wurden die Betriebsgenehmigungen für die Einheiten 1 und 2 durch die ukrainische Aufsichtsbehörde um zehn Jahre verlängert; die Reaktoren dürfen nun bis Dezember 2025 und Februar 2026 weiterbetrieben werden.[5]

Störfälle

ZDF_planet_e._Risiko_Atomkraft_-_Europas_Pannenmeiler

ZDF planet e. Risiko Atomkraft - Europas Pannenmeiler

ZDF, planet e vom 24. April 2016

Laut "reyl.de" sind vom Atomkraftwerk mehrere Feuer und Notabschaltungen gemeldet worden, darunter ein Schwelbrand, der im April 1993 das Ventilationssystem vernichtete.[6]

Im Mai 1993 entzündete sich in Einheit 5 Wasserstoff, der aus einem Leck ausgetreten war, wobei ein Arbeiter ums Leben kam und andere Verbrennungen erlitten. Der Störfall wurde auf eine Verletzung der Sicherheitsvorschriften zurückgeführt. Im gleichen Monat wurden in den Einheiten 2 und 5 fehlerhafte Kontrollstäbe entdeckt; beide Einheiten wurden abgeschaltet.[7]

Im Juni 1993 lief radioaktives Wasser aus dem Primärkreislauf aus. Es verseuchte den Boden des Reaktorgebäudes und eines weiteren Gebäudes sowie den Untergrund nach heftigen Regenfällen (INES-Stufe 2). Im Januar 1994 kontaminierte radioaktives Wasser aus dem Primärkreislauf von Einheit 4 ein Hilfsgebäude und Leitungen (INES-Stufe 2).[7]

In den Jahren 1993 bis 1995 wurde der Betrieb durch finanzielle Engpässe behindert. Arbeiter beschwerten sich, weil Löhne ausstanden oder vermindert wurden; 427 hochqualifizierte Mitarbeiter kündigten 1993. Im Oktober 1994 fehlte Geld, um abgebrannten Brennstoff für die Einheiten 2 und 3 zu ersetzen und um Wartungsarbeiten durchzuführen.[7]

1998 wurden Arbeiter erhöhter radioaktiver Strahlung ausgesetzt, ein Störfall der INES-Stufe 2.[8]

Am 3. Dezember 2014 wurde bekannt, dass Reaktor 3 des Atomkraftwerks wegen eines Störfalls, der zunächst als Atomunfall bezeichnet wurde, mehrere Tage abgeschaltet war. Die Elektronik im Generatorbereich soll beeinträchtigt gewesen sein, möglicherweise hat es auch einen Brand gegeben. Radioaktivität soll nicht ausgetreten sein.[9][10]

Am 28. Dezember 2014 wurde Einheit 6 wegen einer Transformatorstörung im nichtnuklearen Teil der Anlage abgeschaltet, um weitere Schäden zu vermeiden. Erhöhte Radioaktivität soll nicht gemessen worden sein.[11]

Weitere Links

→ Energoatom: Zaporizhzhia NPP (Homepage des Betreibers)
→ IAEO: Environmental Impact of Potential Accidental Releases from Nuclear Energy Systems vom Oktober 2012

(Letzte Änderung: 04.06.2021)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Ukraine abgerufen am 4. Juni 2021
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. Energoatom: Zaporizhzhia NPP abgerufen am 4. Juni 2021
  4. theguardian: Nuclear waste stored in 'shocking' way 120 miles from Ukrainian front line vom 13. Mai 2015
  5. nuklearforum.ch: Ukraine: Betriebsverlängerung für Saporoschje-2 vom 10. Oktober 2016
  6. reyl.de: Saporoschje abgerufen am 4. Juni 2021
  7. 7,0 7,1 7,2 Nuclear Energy Institute: Soviet-Designed Nuclear Power Plants in Russia, Ukraine, Lithuania, Armenia, the Czech Republic, the Slovak Republic, Hungary and Bulgaria (Fifth Edition) von 1997 (via WayBack)
  8. Spiegel Online: Pannen und Unfälle: So sicher sind die Atomkraftwerke der Ukraine vom 4. Dezember 2014
  9. Zeit Online: Störfall in ukrainischem Atomkraftwerk vom 3. Dezember 2014
  10. Süddeutsche.de: Ministerpräsident berichtet von Zwischenfall in Atomkraftwerk vom 3. Dezember 2014
  11. Spiegel Online: Ukraine: Größtes AKW meldet erneut Panne vom 28. Dezember 2014
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