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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Südkorea

Reaktoren in Betrieb: 24 • im Bau: 4 • stillgelegt: 2 [1]


Großer Bestand an Atomkraftwerken

Seoul (Südkorea)

Südkorea war 1957 ein Gründungsmitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).[2]

Nachdem Südkorea 1958 ein Atomgesetz verabschiedet und 1959 eine Atomenergiebehörde gegründet hatte, setzte es in den 1970er Jahren ein ambitioniertes Atomprogramm auf. Atomenergie wurde in den folgenden Jahrzehnten als wichtiger Bestandteil der Energiepolitik angesehen, mit der mehr Unabhängigkeit von fossilen Energien erreicht werden sollte. In den 1970er und 1980er Jahren erwarb Südkorea zunächst schlüsselfertige Anlagen aus dem Ausland, wie z. B. den Reaktor Kori-1 von Westinghouse, der als erstes Atomkraftwerk 1972 ans Netz ging. Später wurden mit dem OPR-1000 und dem APR-1000 eigene Reaktortypen entwickelt.[3]

Mit Antritt der neuen Regierung 2017 wurden Pläne für Neubauten verworfen und ein langfristiger Ausstieg aus der Atomenergie angekündigt.[4]

Derzeit sind 24 Reaktoren an sieben Standorten am Netz, vier weitere aus südkoreanischer Produktion befinden sich in Shin-Hanul und Shin-Kori im Bau.[1]

Reaktoren

Standorte mit aktiven Reaktoren:
Hanbit
Hanul
Shin-Hanul (im Bau)
Kori
Shin-Kori
Wolsong
Shin-Wolsong

Standort mit verworfenen Reaktoren:
Cheonji

 
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Südkorea besitzt zwei Forschungsreaktoren mit der Bezeichnung AGN-201K und Hanaro, die 1982 und 1995 in Betrieb gegangen sind. Ein weiterer Versuchsreaktor mit der Bezeichnung KJRR ist geplant (Stand: 2. April 2021).[5]

Seit 2008 betreibt das Land eine Anlage zur Erforschung der Kernfusion. → Korea Superconducting Tokamak Advanced Research (KSTAR)

Ausbaupläne nach Fukushima

Nach der Fukushima-Katastrophe war Südkorea einer der Staaten weltweit, in denen der Bestand an Atomkraftwerken nennenswert erweitert werden sollte. Im Dezember 2011 wurden Yeongdeok in der Provinz Nord-Gyeongsang und Samcheok in der Provinz Gangwon als mögliche Standorte für neue Atomkraftwerke ausgewählt.[6]

2012 verkündete der damalige Präsident Lee Myung-bak bei der Grundsteinlegung am Standort Shin-Hanul: "Kernenergie ist nicht eine Option, sondern ein Muss."[7] Atomkraftgegner hingegen warnten vor Naturkatastrophen und menschlichem Versagen, aber auch vor möglichen Bombardierungen durch Nordkorea.[8]

Bis 2030 sollte der Anteil der Atomkraft an der Energieerzeugung auf über 40 % gesteigert werden. Die koreanische Regierung vermarktete Atomenergie international als "sauber" und "grün" und förderte den Export:[9] Die Korea Electric Power Company (KEPCO) baut seit 2012 ein Atomkraftwerk mit vier Reaktoren in Barakah (Vereinigte Arabische Emirate).

Widerstände und Ausstiegspäne 2017

Sicherheitsmängel_Südkorea_schaltet_Atomkraftwerke_ab

Sicherheitsmängel Südkorea schaltet Atomkraftwerke ab

Veröffentlicht am 5. November 2012 auf YouTube

In den Jahren 2012 und 2013 wurde das Vertrauen in die Atomindustrie jedoch durch Skandale um gefälschte Sicherheitsbescheinigungen erschüttert. Mehrere Reaktoren mussten abgeschaltet und hohe Haftstrafen ausgesprochen werden. In Umfragen zeigt sich, dass ein steigender Anteil der Bevölkerung der Atomkraft kritisch gegenübersteht. Während 2010 noch 71 % und 2012 noch 40 % diese befürworteten, waren es nach Umfragen vom Mai 2013 nur noch 35 %.[10][11] In der "Korea Times" erschien 2013 ein ausführlicher Artikel zu den Skandalen.[12]

Im Mai 2013 wurden zwei Anlagen auf Ersuchen lokaler Fischer, die wegen sinkender Verkaufszahlen eine Petition einreichten, umbenannt: Yonggwan in Hanbit, Ulchin in Hanul.[13]

Die Auswahl von Samcheok in der Gangwon-Provinz, 180 Kilometer östlich der Hauptstadt Seoul, als Standort für ein neues Atomkraftwerk[14] stieß auf Widerstand. 2014 protestierten Bürger mit Transparenten gegen einen AKW-Neubau, und in einem juristisch nicht bindendem Referendum sprachen sich 85,4 % der Befragten in der Stadt gegen das Projekt aus (Wahlbeteiligung: 68 %). Samcheok hatte 1998 schon einmal den Bau eines AKW verhindert.[15]

Am 19. Juni 2017 kündigte der neue Präsident Moon Jae-in an, Südkorea in ein atomkraftfreies Zeitalter führen zu wollen. Die Laufzeiten der aktiven Reaktoren, die zwischen 2020 und 2030 auslaufen, sollen nicht verlängert, die Baupläne für neue Reaktoren verworfen werden.[4]

Wegen der Entscheidung einer Bürgerkommission knickte die Regierung jedoch ein: Shin-Kori 4 wurde 2019 fertiggestellt, und zwei weitere Einheiten an diesem Standort werden gebaut.


(Letzte Änderung: 02.04.2021)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEA: PRIS - CountryStatistics/Korea, Republic of abgerufen am 2. April 2021
  2. IAEO: Member States abgerufen am 2. April 2021
  3. IAEO: Country Nuclear Power Profiles/Republic of Korea abgerufen am 3. Juni 2016 (via WayBack)
  4. 4,0 4,1 theguardian: New South Korean president vows to end use of nuclear power vom 19. Juni 2017
  5. IAEO: Research Reactors/Countries: Korea, Republic of abgerufen am 2. April 2021
  6. The Korea Times: Yeongdeok, Samcheok tapped as candidates for nuclear power plants vom 23. Dezember 2011
  7. www.nuklearforum.ch: Südkorea: Grundsteinlegung für Shin-Ulchin-1 und -2 vom 8. Mai 2012
  8. Süddeutsche.de: Südkorea setzt trotz neuer Störfälle weiter auf Atomkraft vom 2. Oktober 2012
  9. Zeit Online: "Grünes Wachstum" durch Kernkraft vom 30. Juni 2011
  10. FAZ.net: Gefälschte Sicherheitsdokumente - Südkorea nimmt Atomkraftwerke vom Netz vom 28. Mai 2013
  11. n-tv.de: Erneut gefälschte Zertifikate aufgetaucht vom 5. Juni 2013
  12. The Korea Times: Endless scandals hit nuclear power supplier vom 1. September 2013 (via WayBack)
  13. nuklearforum.ch: Südkorea: Namenswechsel für zwei Kernkraftwerke vom 28. Mai 2013
  14. WNA: Nuclear Power in South Korea abgerufen am 2. April 2021
  15. nzz.ch: Atomkraft in Südkorea - Der Fukushima-Faktor vom 19. Oktober 2014
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