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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Südafrika

Reaktoren in Betrieb: 2 • im Bau: - • stillgelegt: - [1]


Nutzung der Atomkraft seit 1984

Kapstadt (Südafrika)

Südafrika war 1957 ein Gründungsmitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)[2]

1959 genehmigte die Regierung die Gründung einer heimischen Atomindustrie.[3] In den 1960er Jahren erlangte Südafrika mit Hilfe des US-Programms "Atoms for Peace" die Fähigkeit zum Betrieb eines Kernreaktors.[4] Der afrikanische Staat besitzt aus jener Zeit einen Forschungsreaktor mit der Bezeichnung Safari-1 und einer Leistung von 20.000 KW, der am 18. März 1965 in Betrieb genommen wurde.[5]

Safari-1 und weitere Anlagen befinden sich in Pelindaba, dem wichtigsten nuklearen Forschungszentrums des Landes, in dem im Rahmen des Atomwaffenprogramms in den 1970er und 1980er Jahren Atombomben hergestellt wurden. 1988 entschloss sich Südafrika zum Abbau seiner Atomwaffen und trat 1991 dem Atomwaffensperrvertrag bei.[6]Pelindaba

Heute betreibt Südafrika am Standort Koeberg das einzige kommerzielle Atomkraftwerk in Afrika. Die Anlage besteht aus zwei Druckwasserreaktoren mit je 970 MW Nettoleistung, die 1984 und 1985 in Betrieb gingen und wegen häufiger Pannen immer wieder für Stromausfälle in der Umgebung von Kapstadt und Johannesburg sorgen.

Weitere Informationen unter:

Koeberg

Equirectangular projection SW.jpg AKW-Standorte

Gescheiterter Hochtemperaturreaktor

Von 1993 bis 2010 entwickelte der staatliche Energiekonzern Escom einen Hochtemperaturreaktor (PBMR = Pebble Bed Modular Reactor) nach dem Vorbild des stillgelegten THTR in Hamm-Uentrop. Das Projekt, in das 9,2 Mrd. Rand (ca. 1,3 Mrd. US-Dollar) investiert wurden, stoppte die Regierung im September 2010, da sich keine Investoren fanden, die die geschätzten zusätzlichen Kosten von 30 Mrd. Rand (ca. 4,5 Mrd. US-Dollar) tragen wollten.[3][7]

→ dpe.gov.za: Address by the Minister of Public Enterprises, Barbara Hogan, to the National Assembly, on the Pebble Bed Modular Reactor vom 16. September 2010 (via WayBack)

Ausbau der Atomkraft offen

Nach Aussagen der Regierung aus dem Jahre 2011 sollte die Nutzung der Atomenergie zwar vorangetrieben werden.[8] Der Anteil der Atomkraft an der Energieerzeugung sollte, so ein Bericht von 2012, auf 23 % steigen.[9] Der russische Konzern ROSATOM war auch gleich zur Stelle und bot Südafrika im gleichen Jahr umfassende Unterstützung an.[10]

Im Dezember 2013 wies das südafrikanische Department of Energy hingegen darauf hin, dass man den Energiebedarf zu hoch eingeschätzt habe und deswegen der Ausbau der Atomkraft bis 2025 oder darüber hinaus verschoben werde. Stattdessen sollten andere Energiequellen gefördert werden: Wasserkraft, Erdgas und Kohle.[11]

South_African_nuclear_power;_Government_set_to_launch_bidding_process_to_build_new_plants

South African nuclear power; Government set to launch bidding process to build new plants

"South Africa is forging ahead with plans to increase its nuclear power generation." Quelle: YouTube

Am 22. September 2014 unterzeichneten Südafrika und Russland jedoch überraschend ein Kooperationsabkommen. Russland soll bis 2030 acht Atomkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 9,6 GW in Südafrika errichten. Damit soll eine stabile Energieversorgung erreicht werden. Wegen knapper Kassen in Südafrika soll Russland neben Technologie und Infrastruktur auch finanzielle Mittel bereitstellen.[12]

Im September 2015 wurden die Kosten für den Ausbau der Atomkraft von Analysten auf 100 Mrd. US-Dollar geschätzt. Die Opposition warf der Regierung mangelnde Transparenz beim Einkauf vor, was diese zurückwies.[13] Die Pläne der Regierung führten zu einer kontroversen Diskussion in der Öffentlichkeit.[14][15]

Am 31. Januar 2018 erklärte Escom, dass es wegen rückläufiger Umsätze und höherer Finanzierungskosten keine Mittel besitzt, um neue Atomkraftwerke zu errichten.[16] Im Juli 2018 sagte der südafrkanische Präsident Cyril Ramaphosa nach einem Gespräch mit Putin, dass sich Südafrika derzeit wegen der schlechten Wirtschaftslage den Bau neuer Atomkraftwerke nicht leisten könne.[17]

Im Mai 2020 erklärte das südafrikanische Ministerium für Bodenschätze und Energie, dass es an einem Fahrplan für die Beschaffung von 2.500 MW neuer Kernkraftkapazität arbeiten werde.[3]

(Letzte Änderung: 09.06.2021)

Einzelnachweise

  1. IAEA: PRIS - CountryStatistics/South Africa abgerufen am 8. Juni 2021
  2. IAEO: Member States abgerufen am 8. Juni 2021
  3. 3,0 3,1 3,2 WNA: Nuclear Power in South Africa abgerufen am 9. Juni 2021
  4. NTI: South Africa abgerufen am 8. Juni 2021
  5. IAEO: Research Reactor Database abgerufen am 8. Juni 2021
  6. NTI: South Africa - Nuclear abgerufen am 8. Juni 2021
  7. Der Tagesspiegel: In Deutschland gescheitert, in China neu gebaut vom 10. Juli 2013
  8. Welt Online: Südafrika – Am Kap der atomaren Hoffnung vom 17. Oktober 2011
  9. Handelsblatt: Altmaier wirbt für Klimaallianzen vom 7. Dezember 2012
  10. Wallstreet Online: Rosatom bringt russische Nukleartechnologie nach Südafrika vom 20. Juli 2012
  11. timeslive.co.za: SA may delay nuclear power projects vom 4. Dezember 2013
  12. FR Online: Energievertrag mit Russland - Atomkraftwerke für Südafrika vom 22. September 2014 (via WayBack)
  13. Reuters Arica: South Africa's nuclear procurement will be transparent: minister vom 15. September 2015
  14. Mail & Guardian: Why South Africa should not build eight new nuclear power stations vom 5. November 2015
  15. Public Finance International: Clouds hang over South Africa’s nuclear power plans vom 1. Oktober 2015 (via WayBack)
  16. world nuclear news: Eskom pauses nuclear expansion plan vom 31. Januar 2018
  17. finanzen.net: Südafrika legt Pläne für neue russische Atomkraftwerke auf Eis vom 27. Juli 2018
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