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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Japan > Rokkasho (Japan)

Baubeginn: 1993 • Geplante Fertigstellung des gesamten Atomzentrums: 2022


Seit Jahrzehnten im Bau

Atomanlage Rokkasho

Nahe der Gemeinde Rokkasho in der nordjapanischen Präfektur Aomori befindet sich ein großes Nuklearzentrum des 1992 gegründeten und in Rokkasho ansässigen Unternehmens Japan Nuclear Fuel Limited (JNFL).[1] Es ist das zweite japanische Nuklearzentrum dieser Art neben Tokaimura, in dem sich 1999 ein ernster Atomunfall ereignete.

Rokkasho setzt sich aus folgenden in Betrieb oder Bau befindlichen Anlagen zusammen, welche zentrale Prozesse des Brennstoffkreislaufs abdecken sollen:[1]

Anlage Baubeginn Inbetriebnahme
Urananreicherungsanlage 1988 1992
Endlager für schwachradioaktive Abfälle 1990 1992
Verglasungs-Center 1992 1995
Wiederaufarbeitungsanlage 1993 1. Halbjahr 2021 (geplant)
MOX-Fabrikationsanlage 2010 1. Halbjahr 2022 (geplant)

Insbesondere der Bau der Wiederaufarbeitungsanlage von Rokkasho ist von Jahre langen Verzögerungen geprägt: Die Inbetriebnahme der Anlage sollte ursprüglich 1997 erfolgen, wurde aber 24-mal verschoben.[2]

Als Grund für die Verzögerungen wurden 2015 neue Sicherheitsvorschriften wegen Erdbeben genannt.[3]

Trotz der Verzögerungen soll Rokkasho fortgeführt werden, da die Regierung den Brennstoffkreislauf in Japan für unverzichtbar hält. Zudem sind bereits rund 27,5 Mrd. US-Dollar bis 2016 investiert worden, die man nicht in den Sand setzten möchte – das Dreifache der ursprünglich geschätzten Kosten.[4]

Im April 2020 wurden als Fertigstellungstermine der Wiederaufarbeitungsanlage das 1. Halbjahr 2021 und der MOX-Fabrik das 1. Halbjahr 2022 genannt.[1]

Widerstände und Kritik

Gegen die Errichtung der Wiederaufarbeitungsanlage gab es Proteste von Seiten der "Consumers Union of Japan": So wurde am 27. Januar 2008 eine Parade von 596 Gruppen und Organisationen mit 2.500 Personen abgehalten; 810.000 Unterschriften wurden gesammelt und am 28. Januar der Regierung übergeben.[5]

2020 protestierten 210 Antiatomkraftgruppen mit einem Brief an die Atomaufsicht gegen die geplante Inbetriebnahme der Wiederaufarbeitungsanlage. Kritiker warnen vor einer Einleitung großer Mengen von Tritium in den Pazifik und weisen daraufhin, dass die Wiederaufarbeitung unsinnig sei, da es keine Verwendung für das gewonnene Plutonium gebe. Der schnelle Brüter Monju als geplanter Abnehmer ist stillgelegt, und nur vier Reaktoren in Japan könnten MOX-Brennelemente verwenden. Die Kosten, die die Verbraucher mit den Stromrechnungen zahlen, haben sich auf 19 Mrd. Euro verdreifacht.[2]

Vorfälle

Infolge des Erdbebens von März 2011, das auch den GAU von Fukushima auslöste, lief in Rokkasho ein Behälter für abgebrannten Brennstoff über. Außerdem verlor die Anlage Strom, so dass Notstromaggregate aktiviert werden mussten. Einige Tage später wurde die reguläre Stromversorgung wiederhergestellt.[6] Wegen eines Nachbebens am 7. April 2011 wurde Rokkasho neuerdings vorübergehend vom Stromnetz abgeschnitten.[7] 

Links

→ JNFL: JAPAN NUCLEAR FUEL LIMITED (Homepage)

(Letzte Änderung: 19.06.2020)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 JNFL: Corporate Profile abgerufen am 31. Mai 2020
  2. 2,0 2,1 derstandard.de: Japans widersinnige Atompolitik vom 6. Juni 2020
  3. world nuclear news: Major work required at Rokkasho for new regulations vom 17. November 2015
  4. The Diplomat: Why Japan's Rokkasho Nuclear Reprocessing Plant Lives On vom 18. April 2016
  5. nishoren.org: Rokkasho: Nobody talks, Nothing changes vom 29. Januar 2008
  6. The New York Times: Greater Danger Lies in Spent Fuel Than in Reactors vom 17. März 2011
  7. IAEO: Fukushima Nuclear Accident Update Log vom 7. April 2011
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