Atomenergie in Europa > Russland > Nowoworonesch (Russland)

4 aktive Druckwasserreaktoren • Leistung: 417 MW/1.000 MW/1.180 MW/1.181 MW •
Typ: WWER V-179/WWER V-187/WWER V-392M/WWER V-392M • Hersteller: Minatomenergo •
Baubeginn: 1967/1974/2008/2009 • Inbetriebnahme: 1972/1980/2016/2019 •[1][2]
Abschaltung: offen


Reaktoren aus den 1970er Jahren

AKW Novovoronezh (Russland)

Das Atomkraftwerk Nowoworonesch, das lediglich 3,5 km von der gleichnamigen Satellitenstadt und 45 km von der Oblast-Hauptstadt Woronesch entfernt ist, gehört zu den ältesten Anlagen in Russland.[3]

Am Standort erzeugen derzeit vier Druckwasserreaktoren russischer Bauart Strom: Nowoworonesch-4 mit 417 MW, Nowoworonesch-5 mit 1.000 MW sowie Nowoworonesch 2-1 und 2-2 mit 1.180 bzw. 1.181 MW Leistung. Die Einheiten sind 1972, 1980, 2016 und 2019 in Betrieb gegangen. Nowoworonesch-1 (Betrieb: 1963 bis 1988), -2 (Betrieb: 1969 bis 1990) und -3 (Betrieb: 1971 bis 2016) sind stillgelegt. Eigentümer von Nowoworonesch-1 und -2 war das sowjetische Ministerium für den Bau mittlerer Maschinen (MINSREDMASH), Betreiber Rosenergoatom. Eigentümer und Betreiber aller späteren Einheiten ist Rosenergoatom.[1] Hersteller war Minatomenergo.[2]

Neue Einheiten 2-1 und 2-2

Mit dem Bau der zwei neuen Einheiten Nowoworonesch II-1 und II-2 wurde 2008 und 2009 begonnen: diese wurden mit dem neuen Reaktortyp WWER-1200/V-392M ausgerüstet.[1]

Die Inbetriebnahme dieser Einheiten ist mehrmals verschoben worden. Ursprünglich war sie für die Jahre 2012 und 2013 vorgesehen. Im Februar 2012 wurde eine Verschiebung auf die Jahre 2014 und 2016 angekündigt.[4] Am 28. Juli 2015 wurden folgende Termine genannt: Nowoworonesch II-1 sollte am 15. Juni 2016, Nowoworonesch II-2 am 20. Oktober 2018 den kommerziellen Betrieb aufnehmen.[5]

Am 20. Mai 2016 und 22. März 2019 wurden beide Einheiten schließlich in Betrieb genommen.[1]

Zwei weitere Einheiten, Nowoworonesch II-3 und II-4, wurden vorgeschlagen.[6]

Knapp am GAU vorbei

1995 berichtete der "Spiegel", dass sich zwischen der Millionenstadt Woronesch und dem AKW ein Bombenabwurfplatz befindet und sich die Bewohner der Provinz in ständiger Angst befinden. "Mal klinkte sich "außerplanmäßig" eine der Übungsbomben aus, mal schlug eine Rakete dicht neben der durchs Gebiet verlaufenden Gaspipeline ein. An die Waldbrände, die nach jeder Bombenübung aufflackern, sind die Anlieger längst gewöhnt."[7]

Im März 1995 explodierte am Boden, nur viereinhalb Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt, eine lasergesteuerte Rakete, die von einem Kampfjet des Typs Su-25 abgefeuert worden war. Wäre die versehentlich abgeschossene Rakete um zwei Grad von der Route abgewichen, hätte Europa einen zweiten GAU vom Format Tschernobyl erlebt.[7]

Risiken

Nachdem die IAEO Mängel am Notspeisewassersystem kritisierte hatte, wurde von der Europäischen Kommission 2004 ein Projekt zur Anlagenverbesserung eingeleitet, das ein separates System für den Dampferzeuger bei Einheit 5 vorsah.[8]

2008 stellte die russische Atomaufsicht "in zwei Reaktoren "Risse" und "Defekte bei Schweißnähten" in Generatornähe" fest.[9]

Der Atomspezialist Wladimir Kusnezow von der Akademie der Wissenschaften kritisierte im März 2011, die "Atomanlagen Kola und Nowoworonesch entsprächen nicht den internationalen Sicherheitsnormen."[10]

Weitere Links

→ Rosenergoatom: Novovoronezh NPP (Homepage des Betreibers, via WayBack)
→ AtomkraftwerkePlag: Woronesch (Russland) (nicht fertiggestelltes nukleares Heizkraftwerk)

(Letzte Änderung: 30.12.2020)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 IAEO: PRIS - Country Statistics/Russian Federation abgerufen am 30. Dezember 2020
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. Rosenergoatom: Novovoronezh NPP abgerufen am 16. Mai 2017 (via WayBack)
  4. world nuclear news: 2014 startup for Novovoronezh II vom 15. Februar 2012
  5. world nuclear news: Russia puts back power supply dates for new reactors vom 28. Juli 2015
  6. WNA: Nuclear Power in Russia abgerufen am 30. Dezember 2020
  7. 7,0 7,1 DER SPIEGEL12/1995: Außer Kontrolle vom 20. März 1995
  8. ec.europa.eu: TACIS-AKTIONSPROGRAMM 2004 FÜR NUKLEARE SICHERHEIT von 2004 (via WayBack)
  9. Welt Online: Atom-Allianz mit den Russen droht das Scheitern vom 9. Mai 2009
  10. Kleine Zeitung: Experte hält vier russische AKWs für riskant vom 16. März 2011 (via WayBack)
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