Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Nordkorea

Nukleares Forschungszentrum Yongbyon

Pjöngjang (Nordkorea)

In Nordkorea sind Bau und Betrieb von Atomkraftwerken eng verbunden mit der militärischen Nutzung der Atomenergie und dem Status der internationalen politischen Beziehungen.

Nordkorea begann in den frühen 1950er Jahren schrittweise mit der Entwicklung seines Atomprogramms.[1] 1974 wurde der ostasiatische Staat Mitgied der IAEO, aus der er 1994 wieder austrat.[2]

1961 begannen mit sowjetischer Unterstützung die Bauarbeiten am nuklearen Forschungszentrum in Yongbyon nördlich der Hauptstadt Pjöngjang, welches 1964 fertiggestellt wurde.[3] Am 15. August 1965 wurde dort zunächst der Forschungsreaktor IRT-DPRK mit einer Leistung von 8.000 KW in Betrieb genommen. Ob dieser Reaktor noch läuft, ist unklar.[4]

Politisch bedeutsam wurde ein graphitmoderierter, 1986 fertiggestellter 5-MW-Reaktor in Yongbyon, da schon bald der Verdacht aufkam, dass dieser zur Herstellung von Plutonium für Atomwaffen genutzt wurde, und nicht zur Energieerzeugung, wie Nordkorea versicherte.[5]

→ Yongbyon 5-MW-Reaktor

Verworfene Reaktoren in Kŭmho, Yongbyon und Taechon

In den 1980er Jahren plante die Sowjetunion den Bau von Leichtwasserreaktoren bei Kŭmho. Damit sollte Nordkorea überzeugt werden, dem Nuclear Non-Proliferation Treaty (NPT) beizutreten. Das Projekt scheiterte jedoch u.a. deswegen, weil die IAEO Druck auf Nordkorea ausübte.[6]

1990 beauftragte Nordkorea zwei graphitmoderierte und gasgekühlte Reaktoren, von denen der eine mit 50 MW Leistung in Yongbyon, der andere mit 250 MW Leistung in Taechon errichtet werden sollte. Die Bauarbeiten an den beiden Einheiten, die Plutonium für militärische Zwecke produzieren sollten, wurden noch im gleichen Jahr eingeleitet, aber 1994 gestoppt und, soweit bekannt, nicht wieder aufgenommen.[7][8]

→ Yongbyon 50-MW-Reaktor
→ Taechon

Hintergrund für die Baustopps war ein im selben Jahr zwischen den USA und Nordkorea unterzeichnetes Abkommen, laut dem Nordkorea sein militärisches Atomprogramm einfrieren und im Gegenzug zwei Leichtwasserreaktoren mit je 1.042 MW in Kŭmho erhalten sollte. Da der ostasiatische Staat aber seine Verpflichtungen nicht erfüllte, wurde der Bau in Kŭmho 2003 ebenfalls gestoppt.[6]

Kŭmho (Nordkorea)

Entwicklung seit 2007

2007 schloss Nordkorea nach internationalen Verhandlungen den 5-MW-Reaktor in Yongbyon.[9]

2010 gab es Anzeichen, dass Nordkorea einen weiteren Reaktor bauen wollte. Es sollte sich um einen experimentellen Leichtwasserreaktor handeln.[10] Am 17. Mai 2012 wurde aufgrund von Satellitenbildern festgestellt, dass die Bauarbeiten für diesen Reaktor fortgesetzt wurden, möglicherweise auch zur Produktion von waffenfähigem Plutonium.[11] Die Reaktorkuppel war laut Satellitenaufnahmen bereits aufgesetzt worden; es gab unterschiedliche Vermutungen, wann der Reaktor fertiggestellt sein könnte.[12]

Am 2. April 2013 kündigte Nordkorea die Reaktivierung der Anlagen in Yongbyon zur Plutoniumproduktion an[9] und gab am 15. September 2015 deren Wiederinbetriebnahme offiziell bekannt.[13] Satellitenbilder deuteten darauf hin, dass der 5-MW-Reaktor zwischen Ende 2014 und Ende 2015 nur zeitweise oder mit geringer Leistung betrieben wurde.[14]

Eine Anlage in Yongbyon, die wahrscheinlich zur Produktion von Isotopen und Tritium (letzteres auch für Atomwaffen) dient, war nach Beobachtungen im Sommer 2017 nicht in Betrieb.[15]

Schätzungen zufolge verfügt das Land über einen Bestand von 40 nuklearen Sprengköpfen (Stand: März 2021).[16]

→ nti.org: North Korea Nuclear Chronology

(Letzte Änderung: 22.04.2021)

Einzelnachweise

  1. NTI: North Korea/Nuclear abgerufen am 27. März 2021
  2. IAEO: Member States abgerufen am 27. März 2021
  3. NTI: Yongbyon Nuclear Research Center abgerufen am 27. März 2021
  4. IAEO: Research Reactors/Dem. P.R. of Korea/IRT-DPRK abgerufen am 27. März 2021
  5. nti.org: Yongbyon 5MWe Reactor abgerufen am 27. März 2021
  6. 6,0 6,1 globalsecurity.org: Sinpo – Kumho vom 24. Juli 2011
  7. IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE (S. 65) von 1997
  8. globalsecurity.org: Taechon abgerufen am 27. März 2021
  9. 9,0 9,1 Focus Online: Selbst China verurteilt Nordkoreas Atomreaktor-Pläne vom 2. April 2013 (via WayBack)
  10. nti.org: Experimental 25-30 MWe Light Water Reactor abgerufen am 27. März 2021
  11. n-tv.de: Nordkorea baut an Atomreaktor vom 17. Mai 2012
  12. Focus Online: Fortschritt beim Atomprogramm - Nordkorea werkelt fleißig am Reaktor vom 16. November 2013
  13. Focus Online: Pjöngjang droht den USA - Nordkorea fährt Atomanlagen wieder hoch vom 15. September 2015
  14. The Japan Times: North Korea nuclear reactor not fully operational: U.S. think tank vom 14. Januar 2016 (via WayBack)
  15. dw.com: North Korea accelerates nuclear fuel processing, satellite images suggest vom 15. Juli 2017
  16. FAS: Status of World Nuclear Forces abgerufen am 22. April 2021
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.