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Atomenergie in Europa > Schweiz > Niederamt (Schweiz)

1 Leichtwasserreaktor • Leistung: 1.100 bis 1.600 MW •
Rahmenbewilligungsgesuch: 9. Juni 2008 • Geplante Inbetriebnahme: 2025 •
Projektende: 14. März 2011[1][2][3]


Atomkraftwerk der "dritten Generation"

Niederamt, auch Gösgen II genannt, war neben Kaiseraugst und Graben ein weiteres Atomkraftwerk in der Schweiz, das geplant war, aber nie gebaut wurde.

Als Projektbeginn ist der 9. Juni 2008 anzusetzen, an dem die Kernkraftwerk Niederamt AG, eine Projektgesellschaft der Atel Holding AG, beim Bundesamt für Energie ein Rahmenbewilligungsgesuch für ein neues Kernkraftwerk im Niederamt zwischen Olten und Aarau (Kanton Solothurn) einreichte. Dieser Standort wurde in technischer Hinsicht und einer vermuteten großen Akzeptanz in der Bevölkerung wegen als besonders geeignet angesehen. Zudem hatte das Kantonsparlament Solothurn bereits am 30. Oktober 2007 den schnellen Bau eines AKW im Niederamt beauftragt.[1]

Geplant war ein Leichtwasserreaktor der "dritten Generation" mit einer Leistung von 1.100 bis 1.600 MW. Die Kosten wurden auf sechs bis sieben Mrd. Franken geschätzt, und die neue Einheit sollte 2025 ans Netz gehen.[2] Laut Richtplan vom April 2010 sollte sie direkt neben dem AKW Gösgen errichtet werden und wurde deshalb auch als AKW Gösgen II bezeichnet. Die Anlage sollte mit einem 60 Meter hohen Hybridkühlturm im Interesse einer geringen Schwadenbildung ausgerüstet werden. Mit einer endgültigen Entscheidung zum Bau wurde 2012 gerechnet.[4]

Im September 2010 stellt die Aufsichtsbehörde ENSI in einem Gutachten fest, dass die Kernkraftwerk Niederamt AG alle "erforderlichen Voraussetzungen für die Erteilung der Rahmenbewilligung" erfüllt hätte.[5]

Negative Resonanz und Projektende nach Fukushima

Atomkraftgegner hatten unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne angekündigt, das Projekt mit einem Referendum zu Fall bringen zu wollen.[6] Einige Gemeinden unterstützten 2010 das neue AKW, andere standen dem Projekt kritisch gegenüber.[7] Eine Befragung durch die Gemeindepräsidentenkonferenz Niederamt (GPN) vom Januar 2011 ergab, dass die Bevölkerung das AKW mehrheitlich ablehnte, die Wirtschaft es jedoch mehrheitlich befürwortete. Ein Lager für radioaktive Abfälle wurde von der Bevölkerung mit großer Mehrheit abgelehnt.[8]

Am 14. März 2011 wurden infolge der Fukushima-Katastrophe alle Gesuche für neue AKW vom Schweizer Umweltministerium sistiert,[3] am 21. März auch das Richtplanverfahren für das AKW Niederamt.[9] Außerdem bestätigte der Nationalrat am 6. Dezember 2011 vorangegangene Beschlüsse, dass keine neuen Atomkraftwerke mehr errichtet werden sollen.[10]

Am 12. Oktober 2016 zogen die Atomkonzerne in der Schweiz ihre Rahmenbewilligungsgesuche für die Ersatzkraftwerke an den Standorten Niederamt, Beznau und Mühleberg zurück. Dies wurde mit den geänderten Marktbedingungen und dem geplanten Atomausstieg begründet.[11] Wenn sich daran nichts ändern sollte, ist mit einer Realisierung des AKW Niederamt nicht mehr zu rechnen.

Weitere Links

→ atomausstieg.ch: Kanton Solothurn: 839 Einwendungen zum AKW Gösgen II vom 11. Februar 2011 (via WayBack)
→ Limmattaler Zeitung: Gemeinden wehren sich gegen einen KKW-Parallelbetrieb vom 6. Februar 2011
→ Basler Zeitung: Baselbieter Regierung gegen neues KKW Gösgen vom 5. September 2008

(Letzte Änderung: 24.08.2021)

Einzelnachweise

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