Die Lobbyorganisationen > Kerntechnische Gesellschaft (KTG)

Lobbyorganisation für Mitarbeiter der Atomwirtschaft

Die Kerntechnische Gesellschaft e.V. (KTG) ist neben dem Kerntechnik Deutschland e. V. (KernD), bis 2019 bis 2019 das Deutsche Atomforum, eine weitere wichtige Lobbyorganisation in Deutschland. Sie wurde am 14. April 1969 von Mitgliedern des Deutschen Atomforums gegründet; erster Vorsitzender war Professor Wolf Häfele vom Kernforschungszentrum Karlsruhe.[1]

Mitglieder der KTG sind rund 2.200 in den Atomkonzernen angestellte Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker etc.[2] Man könnte also von einer Art Arbeitnehmerorganisation der Atomlobby sprechen.

Das Ziel der 1969 in Frankfurt gegründeten und heute in Berlin ansässigen Kerntechnischen Gesellschaft ist, "den Fortschritt von Wissenschaft und Technik auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie und verwandter Disziplinen zu fördern.".[2]

Vorsitzende der KTG war seit 2011 die Physikerin Astrid Petersen,[3] die zugleich Mitglied im Präsidium des Deutschen Atomforums[4] und Bereichsleiterin bei der Essener Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) ist. Sie wurde 2017 durch Frank Apel abgelöst.[5]

Kerntechnische Gesellschaft e.V. (Homepage)

Reaktionen auf den Atomausstieg

Die KTG reagierte auf den Atomausstieg des Kabinetts Schröder 1998 mit einem Konzept "Strategie 2000+" und mit dem erneuten Ausstiegsbeschluss der Regierung Merkel mit einer "Agenda 2022".[6]

Nach Fukushima startete die KTG einige Aktivitäten in den Medien und der Öffentlichkeit, mit denen gegen den 2011 beschlossenen Atomausstieg protestiert wurde.

Im Juni 2011 sprach die Vorsitzende Astrid Petersen in der "taz" von "ökodiktatorischen Ansätzen" und bezeichnete das AKW-Moratorium als "hysterisch und rein politisch motiviert". Deutschland habe als "Exportweltmeister" eine große Verantwortung und könne nicht einfach Atomkraftwerke durch Windräder ersetzen.[7]

Das KTG organisierte am 7. Juli 2011 eine kleine Protestveranstaltung vor dem Bundeskanzleramt gegen den Atomausstieg. "Die KTG warnt mit ihren Aktionen davor, dass tausende Mitarbeiter von Kernkraftwerken und kerntechnischen Einrichtungen an ihren Standorten in ganz Deutschland mit den Folgen leben müssen. Man kritisiert die mögliche Abhängigkeit Deutschlands von Stromimporten."[8]

In einem weiteren Interview in der "taz" vom März 2012 bezeichnete Petersen den Ausstieg als "Hysterie". Sie betonte die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke, kritisierte zugleich die Vorfälle in der "Asse": "Da ist massiv geschlampt worden, und das fällt auf uns alle zurück."[9] Ähnliche Statements gab Petersen im Mai 2012 in der Financial Times Deutschland[10] und der Jahrestagung Kerntechnik ab.[11]

Während das Deutsche Atomforum seit 2013 den Widerstand gegen den Atomausstieg mehr oder weniger aufgegeben hat, zeigt sich die KTG-Vorsitzende weiterhin kämpferisch.

Nach ihrer Wiederwahl am 6. Mai 2014 wies Astrid Petersen auf "die anhaltende Bedeutung der Kernenergie für die Versorgungssicherheit und die klimafreundliche Stromproduktion in Deutschland" hin. Es müsse eine "Energie-Agenda ohne ideologische Denkverbote" geben.[12]

Am 4. Mai 2015 wurde Petersen als Vorsitzende der KTG neuerdings wiedergewählt und forderte "ein politisches Umdenken in Deutschland in der Bewertung der friedlichen Nutzung der Kernenergie". Das kerntechnische Know-how in Deutschland müsse erhalten bleiben und ins Ausland exportiert werden.[13]

Astrid Petersen arbeitete auch für die European Nuclear Society (ENS) und war ab 1. April 2016 Geschäftsführerin der Unternehmen TÜV NORD EnSys Hannover und TÜV NORD SysTec. "Die TÜV NORD GROUP baut damit ihre Kompetenz für internationale Nuklearprojekte weiter aus."[14]

(Letzte Änderung: 22.02.2020)

Einzelnachweise

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