Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Kasachstan

Reaktoren in Betrieb: - • im Bau: - • stillgelegt: 1 [1]


Schneller Brüter 1999 stillgelegt

Astana (Kasachstan)

Zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion gab es Pläne, in Kasachstan fünf Atomkraftwerke zu errichten.[2]

Nach seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion übernhahm Kasachstan einen natriumgekühlten Schnellen Brüter des Typs BN-350, der sich in der Nähe der Stadt Aktau im Osten des Kaspischen Meeres befindet und von 1973 bis 1999 betrieben wurde.

Weitere Informationen dazu unter → Aktau

Kasachstan wurde 1994 Mitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).[3]

Mehrere Projekte für kommerzielle Atomkraftwerke sind bislang nicht realisiert worden.[4][5] So waren 1997 ein zweiter Schneller Brüter bei Aktau mit 350 MW, zwei WWER-640-Einheiten bei Atyrau am Kaspischen Meer sowie eine WWER-1000-Einheit bei Schymkent (Chimkent) im Süden Kasachstans geplant.[6]

2007 und 2010 wurden Machbarkeitsstudien durchgeführt und der Balkash-See im Osten des Landes als möglicher Standort für einen japanischen Leichtwasserreaktor erwogen.[7]

Kasachstan besitzt bislang vier Forschungsreaktoren, von denen der älteste 1960 in Betrieb ging (Stand: 4. April 2014).[8]

Seit 2011 Wiedereinstieg propagiert

Während die kasachische Regierung 2011 den Wiedereinstieg in die Atomkraft befürwortete, lehnte die Bevölkerung dies mehrheitlich ab.[9]

In den Medien wird deshalb versucht, für die Atomkraft zu werben. So erklärte der Direktor des Instituts für nukleare Energie, Yergazy Kenzhin, 2012 in "Tengrinews", der Bau von Atomkraftwerken könne Kasachstan zum Topexporteur von Energie in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) machen. Mit zwei bis drei Atomkraftwerken könne das Land unabhängig von Energieimporten werden. Atomkraft sei sicher, die Katastrophe von Fukushima auf veraltete Technik zurückzuführen. Man plane den Bau von zwei AKW der dritten Generation mit je 1 Gigawatt im ostkasachischen Kurchatow.[10]

Im April 2013 wurde bekanntgegeben, Kasachstan habe sich für den Standort Aktau zum Bau eines Atomkraftwerks mit einer Leistung von 300 MW entschieden. Dieser Standort eigne sich wegen seiner Infrastruktur und vorhandenen Personals. Der Bau des AKW solle international ausgeschrieben werden.[11]

Im Dezember 2013 berichtete die "taz", dass der kasachische Präsident Nasarbajew plant, bei Kurtschatow am ehemaligen, radioaktiv verseuchten Atombombentestgelände Semipalatinsk mit japanischer Hilfe ein Atomkraftwerk zu bauen.[12] Im August 2014 hieß es hingegen, das geplante AKW solle mit russischer Unterstützung errichtet werden und 2016 in Betrieb gehen.[13]

Darüber hinaus erwog die kasachische Regierung, so eine Meldung vom Januar 2015, den Bau eines zweiten Atomkraftwerks in der Nähe des Dorfes Ülken in der Provinz Almaty im Südosten von Kasachstan.[14] Im Dezember 2016 wurde bekannt, dass fünf mögliche Standorte in Betracht gezogen werden und Leichtwasserreaktoren der Generation III und III+ bevorzugt würden.[15]

Bei Gesprächen zwischen Kasachstan und Russland im April 2019 wurde kein konkreter Beschluss zum Bau eines AKWs gefasst.[16]

2015: Internationale "Uran-Bank"

Kasachstan ist seit 2009 der weltweit größte Uranproduzent: → Uranabbau in Kasachstan.

Am 27. August 2015 wurde zwischen der IAEO und Kasachstan ein Vertrag zur Errichtung einer internationalen "Uran-Bank" im kasachischen Ust-Kamenogorsk in der Nähe des Testgeländes Semipalatinsk unterzeichnet, die 2017 eröffnet werden sollte. Dort soll niedrig angereichertes Uran gelagert werden, das bei Versorgungsengpässen an andere Staaten vergeben werden kann. Zugleich sollen Staaten dadurch bewegt werden, auf eine eigene Urananreicherung zu verzichten.[17]

Im Sommer 2017 wurde die Brennstoffbank eingeweiht, und am 17. Oktober 2019 wurde mit der ersten Lieferung schwachangereicherten Urans der Betrieb aufgenommen.[18] Am 10. Dezember 2019 traf die zweite Lieferung ein, womit die Anlage ihr geplantes Lagersoll erreichte. Mit dem Uran kann die "Vollladung eines 1000-MW-Druckwasserreaktors oder drei Jahresnachladungen" erzeugt werden.[19]

Kernfusion

Kasachstan betreibt ein Fusionsexperiment bei der Stadt Kurchatov, das 2010 in den Testbetrieb gegangen ist und der Materialforschung dient. 2017 wurde zum ersten Mal Plasma erzeugt. → Kazakhstan Tokamak for Material Testing (Kasachstan)

(Letzte Änderung: 21.12.2019)

Einzelnachweise

  1. IAEA: PRIS - CountryStatistics/Kazakhstan abgerufen am 11. März 2019
  2. Deutscher Bundestag: Radioaktive Altlasten in den Nachfolgestaaten der UdSSR und in Osteuropa (Drucksache 12/8410. S.13) vom 1. September 1994
  3. IAEO: Member States abgerufen am 11. März 2016
  4. rianovosti: Baubeginn für Atomkraftwerk in Kasachstan verzögert sich vom 23. Februar 2009
  5. WNA: Nuclear Power in Kazakhstan abgerufen am 7. Januar 2013
  6. IAEO: LES CENTRALES  NUCLEAIRES DANS LE MONDE (S. 60) von 1997
  7. world nuclear news: Japan-Kazakhstan cooperation moves to next level vom 19. Februar 2013
  8. IAEO: Research Reactors/Countries: Kazakhstan abgerufen am 4. April 2014
  9. Deutsche Welle: Kritik an Kasachstans AKW-Plänen vom 25. Mai 2011
  10. tengrinews.kz: Nuclear power station will make Kazakhstan top energy exporter in CIS vom 15. September 2012
  11. Central Asia Online: Kazakhstan chooses Aktau as a nuclear power plant site vom 24. April 2013 (via WayBack)
  12. taz.de: Kühe am Atomsee vom 3. Dezember 2013
  13. sputniknews.com: Russland wird Atomkraftwerk in Kasachstan bauen vom 6. August 2014
  14. nuklearforum.ch: Kasachstan denkt über Neubauten nach vom 30. Januar 2015
  15. neimagazine.com: Kazakhstan considers five possible NPP sites vom 1. Dezember 2016
  16. rferl.org: Putin Offers Russian Help To Build Kazakh Nuclear Plant vom 6. April 2019
  17. Der Tagesspiegel: Erste "Uran-Bank" der Welt entsteht in Kasachstan vom 27. August 2015
  18. nuklearforum.ch: IAEO-Brennstoffbank in Betrieb vom 23. Oktober 2019
  19. nuklearforum.ch: Zweite Lieferung erreicht Brennstoffbank der IAEO vom 19. Dezember 2019
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