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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Pakistan > Kanupp (Pakistan)

1 Schwerwasserreaktor, 1 Druckwasserreaktor • Leistung: 100/1.100 MW • Typ: CANDU-137/HPR1000 •
Hersteller: AECL/CNNC • Baubeginn: 1966/2015 • Inbetriebnahme: 1971/2021 • Abschaltung: offen[1][2][3]


Zwei aktive Reaktoren

Paradise Point nahe Kanupp (Pakistan)

Der Standort Kanupp, auch Karachi genannt, befindet sich bei Paradise Point, ungefähr 25 km westlich von Karachi in der Provinz Sindh im Süden Pakistans.[4]

Dort wird ein Schwerwasserreaktor des kanadischen Typs CANDU-137 mit einer Leistung von 100 MW betrieben. Die von der Atomic Energy of Canada Ltd. (AECL) hergestellte und 1971 in Betrieb genommene Einheit zählt zu den dienstältesten aktiven Reaktoren der Welt. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die Pakistan Atomic Energy Commission (PAEC).[1][2] Wegen seines hohen Alters wird der Reaktor mit reduzierter Leistung betrieben und von der PAEC überprüft.[4]

Laut eines Artikels des "Spiegel" zielte Pakistan mit dem Bau des CANDU-Schwerwasserreaktors, mit dem sich Plutonium produzieren lässt, darauf ab, zusammen mit Libyen die "islamische Bombe" zu bauen. Als sich 1980 das kanadische Unternehmen Canadian General Electric wegen eines Embargos aus Pakistan zurückzog, war Siemens zur Stelle und lieferte "Systeme für die Neutronenflußmessung im Reaktor".[5]

Am 28. Februar 2021 erreichte Kanupp-2, ein Druckwasserreaktor aus chinesischer Produktion des Typs HPR1000 (Hualong One) erste Kritikalität. Der kommerzielle Betrieb soll Ende 2021 aufgenommen werden.[3]

Neue Anlagen aus chinesischer Produktion

Als offiziellen Baubeginn nennt die IAEO den 20. August 2015 für Kanupp-2 und den 31. Mai 2016 für Kanupp-3.[1]

Die beiden neuen Einheiten sollten ursprünglich mit chinesischen ACP1000-Reaktoren mit je 1.100 MW Leistung ausgerüstet werden. Die Kosten für das Projekt wurden auf 9,1 Mrd. US-Dollar geschätzt. Mit dem Bau wurde die China National Nuclear Corporation (CNNC) im August 2013 beauftragt. Im Dezember 2013 wurden mit die Bauvorbereitungen eröffnet; die Fertigstellung der Einheiten war für Ende 2021 bzw. Ende 2022 geplant.[4]

Der World Nuclear Industry Status Report 2014 berichtete von Widerstand von Politikern, lokalen Beamten und Wissenschaftlern gegen das Projekt, u.a. weil die ACP1000-Technik zu jener Zeit noch nicht getestet worden war. Außerdem befindet sich Kanupp in einer der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt, in der im Fall einer Katastrophe eine Evakuierung unmöglich wäre.[6]

Am 17. Oktober 2014 stoppte das Sindh High Court die Bauarbeiten; diese dürften erst fortgesetzt werden, wenn bestimmte gesetzliche Voraussetzungen in Bezug auf den Umweltschutz berücksichtigt würden. Das Gericht gab damit einer Petition verschiedener Organisationen recht. Der Anwalt, der diese vertrat, wies darauf hin, dass es ACP1000-Reaktoren nur auf dem Papier und in Computerprogrammen gab.[7]

Am 20. August 2015 wurden die Bauarbeiten an den geplanten Einheiten durch Premierminister Sharif eröffnet. Es sollten nun zwei chinesische Reaktoren vom Typ Hualong One gebaut werden, dem Nachfolgemodell des ACP1000.[8]

Risiko und Störfälle

Laut einem Artikel des "theguardian" vom April 2011 gilt die aktive Einheit Kanupp-1 wegen ihres hohen Alters, ihrer stark belasteten Struktur und der Erdbeben- und Tsunamigefahr am Arabischen Meer als höchst unsicher. Bei einem Unfall würde die 15-Millionen-Stadt Karachi verseucht.[9]

Ein Vorfall vom Januar 1985 wirft ein schlechtes Licht auf die Sicherheitskultur in Kanupp: Beim Umfüllen radioaktiver Abfälle gab es Probleme mit einem leckenden Gummischlauch, aus dem schweres Wasser mit Tritium auslief. Der Schlauch wurde zunächst mit einem Klebeband umwickelt, woraufhin wiederum Wasser auslief. Deshalb verwendete die Mannschaft "eine ganze Rolle Klebeband, und es leckte nur noch wenig".[10]

Am 18. April 1989 lief laut "Greenpeace" wegen eines Lecks im Schwerwassersystem radioaktives Wasser ins Containment. Bei der Reparatur wurden mehrere Mitarbeiter verstrahlt.[11]

Im Oktober 2011 gab es neuerdings ein Leck in einem Schwerwasserschlauch. Als Folge wurde vorübergehend der Notstand im AKW ausgerufen. Die Belegschaft soll keiner Radioaktivität ausgesetzt worden sein.[12]

Weitere Links

→ Pakistan Atomic Energy Commission: Nuclear Power: A Viable Option For Electricity Generation (Informationen des Betreibers)

(Letzte Änderung: 20.03.2021)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 IAEO: PRIS - Country Statistics/Pakistan abgerufen am 13. Februar 2021
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. 3,0 3,1 world nuclear news: Grid connection for Pakistani Hualong One unit vom 19. März 2021
  4. 4,0 4,1 4,2 WNA: Nuclear Power in Pakistan abgerufen am 13. Februar 2021
  5. DER SPIEGEL 2/1989: Jede Menge vom 9. Januar 1989
  6. worldnuclearreport: The World Nuclear Industry Status Report 2014 vom 29. Juli 2014
  7. dawn.com: SHC stops PAEC from starting work on N-plants vom 17. Oktober 2014
  8. world nuclear news: Pakistan breaks ground for new Karachi units vom 21. August 2015
  9. theguardian: Underpowered and unsafe, Pakistan's nuclear reactors are just big boys' toys vom 28. April 2011
  10. DER SPIEGEL 17/1987: Mir läuft der kalte Schauer über den Rücken vom 20. April 1987
  11. Greenpeace: Der Jahreskalender: April abgerufen am 13. Februar 2021
  12. oneindia news: Nuke emergency briefly at Karachi reactor after leakage vom 20. Oktober 2011
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