Kernfusion und Fusionsanlagen > Joint European Torus (Großbritannien)

Typ: Tokamak • Plasmatemperatur: 100 Mio. Grad • Betreiber: JET Joint Undertaking •
Baubeginn: 1977 • Inbetriebnahme: 25. Juni 1983 • Abschaltung: offen


Größte Tokamak-Forschungsanlage

Der Joint European Torus (JET)

Der Joint European Torus (JET) ist eine der größten Fusionsforschungsanlagen vom Typ Tokamak und die einzige, in der mit Deuterium und Tritium experimentiert werden kann. Durch seine Plasmaphysik-, System- und Materialtests trägt JET zu Design und Konstruktion der im Bau befindlichen Anlage ITER (Frankreich) bei.[1]

Die Anlage wird im Culham Centre for Fusion Energy (CCFE) in Abingdon (Oxfordshire) in Großbritannien betrieben.[1] Am wissenschaftlichen Programms ist auch das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching beteiligt.[2]

Das Fusionsprogramm und die rechtlichen Rahmenbedingungen wurden 1971 vom Rat der Europäischen Union festgelegt. Mit den Montagearbeiten an der Maschine wurde 1977 begonnen, mit den Arbeiten am Standort 1979. 1978 wurde die Betreibergesellschaft JET Joint Undertaking gegründet. 1983 wurde die Anlage in Betrieb genommen, und am 25. Juni 1983 zum ersten Mal Plasma erzeugt. Am 19. April 1984 eröffnete Königin Elisabeth II. JET offiziell.[3]

Der Joint European Torus hat einen Durchmesser von 15 Metern und eine Höhe von 12 Metern. Herzstück ist der Vakuumbehälter mit einem maximalen Radius von 2,96 Metern. Am 9. November 1991 wurde dort weltweit zum ersten Mal kontrolliert mit einer Fusion der Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium Energie erzeugt.[3] Für zwei Sekunden wurde eine Fusionsleistung von 1,8 Megawatt erzeugt.[2]

Fusionsleistung von 13 Megawatt

1997 ist es im JET gelungen, kurzzeitig eine Fusionsleistung von 13 Megawatt zu erzeugen. 65 % der zur Plasmaheizung verbrauchten Leistung wurde dabei per Fusion zurückgewonnen. Es wurde eine Reaktormischung von Tritium und Deuterium aus gleichen Teilen benutzt.[2] Die Anlage arbeitet leider nur pulsweise und eignet sich deshalb nicht für einen Dauerbetrieb.[4]

Am 29. März 2019 unterzeichneten die Europäische Union und Großbritannien einen Vertrag, der Investitionen der EU von mindestens 100 Mio. Euro in die Anlage bis Ende 2020 absichert. Der Vertrag enthält darüber hinaus die Option eines Betriebs bis 2024, ein Jahr vor der geplanten Inbetriebnahme der Kernfusionsanlage ITER.[5]

Ab 2020 sollen nach diversen Upgrades, wie z. B. der Montage einer Innenwand aus Beryllium und Wolfram, die Deuterium-Tritium-Experimente fortgesetzt werden.[6] Eine hohe Fusionsleistung über längere Zeiträume soll damit ermöglicht werden.[1]

(Letzte Änderung: 24.02.2021)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 CCFE: JET: the Joint European Torus abgerufen am 22. Februar 2020
  2. 2,0 2,1 2,2 IPP: Mitarbeit am Joint European Torus JET abgerufen am 29. September 2019
  3. 3,0 3,1 euro-fusion.org: Focus on: JET – The European Centre of Fusion Research von 2007
  4. IPP: Kernfusion - Stand und Perspektiven abgerufen am 17. Dezember 2016
  5. world nuclear news: UK fusion scientists secure new funding despite Brexit vom 29. März 2019
  6. CCFE: New JET programme will be crucial to future of fusion research vom 9. September 2019 (via WayBack)
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.