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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Indien > Jaitapur (Indien)

2 bis 6 Druckwasserreaktoren • Leistung: 2 bis 6 x 1.740 MW • Typ: EPR •
Hersteller: AREVA • Absichtserklärung: 2009 • Rahmenvereinbarung: 2010 •
Fertigstellung von Jaitapur-1 und -2 ursprünglich geplant: 2016/2017


Indiens Prestigeprojekt

Villagers protest against Jaitapur nuclear power plant

Villagers protest against Jaitapur nuclear power plant

(Hochgeladen in YouTube am 28. Dezember 2010)

Jaitapur ist das große Prestigeprojekt der indischen Regierung im Bereich der Atomenergie. Mit sechs Druckwasserreaktoren soll die Anlage das leistungsstärkste Atomkraftwerk der Welt werden. Das Projekt ist jedoch um Jahre verschoben, in Indien umstritten, und es ist fraglich, ob es je realisiert wird.

Der Standort Jaitapur befindet sich am Arabischen Meer an der Westküste Indiens, bei der Ortschaft Madban (Distrikt Ratnagiri) im Südwesten des Bundesstaates Maharashtra. Dort sollen durch AREVA auf einer Fläche von 968 Hektar bis zu sechs Einheiten vom Typ EPR (European Pressurized Water Reactor) mit je 1.740 MW Bruttoleistung errichtet werden, zusammen also maximal 10.440 MW.[1]

Eine Absichtserklärung zum Bau des leistungsstärksten Atomkraftwerks der Welt war am 4. Februar 2009 zwischen AREVA und der Nuclear Power Corporation of India Ltd (NPCIL) unterzeichnet worden,[2] dem ein Rahmenabkommen am 6. Dezember 2010 über die zwei ersten Einheiten folgte. Der Baubeginn war für 2013, und die Inbetriebnahme für 2016/2017 geplant.[3]

Danach waren vier Jahre lang kaum mehr Fortschritte zu verzeichnen, was offiziell damit begründet wurde, dass Indien unübliche Haftungsbedingungen eingebracht hätte. Es war jedoch im April 2011 auch zu den bislang stärksten Protesten gekommen (vgl. nächsten Abschnitt). Erst am 13. April 2015 unterzeichneten AREVA und NPCIL ein pre-engineering agreement (PEA) zur Erteilung einer Lizenz.[4] Im gleichen Monat erteilte die Regierung die grundsätzliche Zustimmung für den Neubau.[5]

Am 25. Januar 2016 trafen sich die Präsidenten Indiens und Frankreichs, Modi und Hollande, und verständigten sich darauf, bis Ende 2016 einen endgültigen Vertrag abzuschließen.[6] Anfang 2018 wurde das Projekt bei der World Nuclear Association (WNA) als verschoben angegeben, mit einem möglichen Baubeginn im Jahr 2018.[7]

Am 10. März 2018, im Rahmen des Staatsbesuchs des französischen Präsidenten Macron, schlossen EDF und NPCIL ein Abkommen zum Bau der sechs EPR-Einheiten ab.[8]

Widerstände und ein Todesopfer

Seit Bekanntwerden der Neubaupläne ist es in der lokalen Bevölkerung zu Protesten gekommen. Die Fischer fürchten wegen der Einleitung des Kühlwassers in das Meer und möglicher Kontamination um ihren Lebensunterhalt. Im November 2010 wurden wegen der Proteste 700 Menschen festgenommen, am 9. April 2011 demonstrierten 50.000 Menschen gegen das Projekt. Als bei einem Generalstreik und Zusammenstößen am 18. April 2011 eine Polizeiwache gestürmt wurde, schoss die Polizei in die Menge, wobei ein Mann ums Leben kam.[9][10]

Kritisiert wurde außerdem, dass der Standort in einer erdbebengefährdeten Zone liegt, es sich bei den EPR-Reaktoren um neue, nicht getestete Anlagen handelt und das Projekt einer strikten Geheimhaltung unterliegt. Es wurden versteckte Kosten angesichts der Kostenexplosionen bei den EPR in Flamanville (Frankreich) und Olkiluoto (Finnland) befürchtet. Von den über 2.300 Bauern, deren Land seit 2005 übernommen wurde, akzeptierten nur 5 % die Entschädigungen der Regierung. Der Ministerpräsident von Maharashtra, der das Projekt unbedingt umsetzen möchte, sagte, die Anwohner machten sich unvernünftige Sorgen.[11]

Als Reaktion auf die Proteste in Jaitapur kündigte die indische Regierung die Einrichtung einer unabhängigen Kontrollbehörde für Atomenergie, eine Einladung der IAEO und "einzigartige Sicherheitssysteme" bei jedem Jaitapur-Reaktor an.[12]

Auch 2015 gab es weitere Proteste; Atomkraftgegner wiesen darauf hin, dass es am Standort Jaitapur in den letzten 20 Jahren 93 Erdbeben gegeben habe. Das stärkste davon hatte einen Wert von 6,2 auf der Richterskala.[13]

Weitere Links

→ Nuclear Power Corporation of India Ltd (NPCIL): Jaitapur Nuclear Power Plant (via WayBack)
→ Anti-Atom Indien: Jaitapur

(Letzte Änderung: 15.03.2020)

Einzelnachweise

  1. AREVA: The Jaitapur Nuclear Power Project abgerufen am 26. März 2016
  2. world nuclear news: Up to six Indian EPRs vom 4. Februar 2009 (via WayBack)
  3. word nuclear news: Agreements signed for Indian EPRs vom 6. Dezember 2016
  4. world nuclear news: Areva signs Jaitapur agreements vom 13. April 2015
  5. world nuclear news: Kudankulam units achieve construction and operation milestones vom 16. Juli 2015
  6. world nuclear news. Jaitapur agreement due by year-end vom 25. Januar 2016
  7. WNA: Nuclear Power in India abgerufen am 21. Januar 2018
  8. nuclearforum.ch: Indien: Abkommen mit Frankreich für sechs EPR am Standort Jaitapur vom 15. März 2018
  9. taz.de Proteste gegen Areva-Reaktoren in Indien - Atomkraftgegner erschossen vom 19. April 2011
  10. tagesanzeiger.ch: Todesopfer bei Demonstration gegen ein AKW vom 18. April 2011
  11. Forbes India: A Perspective on the Nuclear Uproar in India vom 28. März 2011
  12. world nuclear news: Indian response to safety calls vom 27. April 2011
  13. The New Indian Express: "Jaitapur Site Highly Prone to Quakes" vom 1. Mai 2015
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