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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Iran

Reaktoren in Betrieb: 1 • im Bau: - • stillgelegt: - [1]


Iranisches Atomprogramm

Northern-Tehran

Der Norden Teherans vor dem Elburs-Gebirge (Iran)

Der Iran ist stark bis sehr stark erdbebengefährdet, da Im Süden und Westen die Arabische mit der Eurasischen Erdplatte kollidiert.[2]

Dennoch strebte der westasiatische Staat, der seit 1958 Mitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) ist,[3] schon vor Jahrzehnten die kommerzielle Nutzung der Atomenergie an. Treibende Kraft hinter dem iranischen Atomprogramm waren anfangs die USA, die dem Iran 1959 und 1968 Forschungsreaktoren schenkten.[4] Eine Übersicht über alle im Iran betriebenen und stillgelegten Forschungsreaktoren findet man unter → IAEO: Research Reactors/Countries: Iran

1974 plante der letzte Schah nach Informationen der World Nuclear Association (WNA) den Bau von Atomkraftwerken mit einer Kapazität von 23 GW, um mehr Öl und Gas exportieren zu können. Dazu wurden Reaktoren bei der Siemens-Tochter Kraftwerk Union (KWU) für die drei Standorte Buschehr, Isfahan und Saveh, und bei der französischen FRAMATONE für den Standort Darkhovain bestellt. Alle geplanten Einheiten wurden jedoch 1979 wegen der Revolution im Iran verworfen.[5]

1991 schloss der Iran zunächst ein Abkommen mit China zum Bau von zwei 300-MW-Reaktoren ab, das 1993 bestätigt, aber nie realisiert wurde. 1992 unterzeichneten Iran und Russland ein Abkommen zur friedlichen Nutzung der Atomkraft, in dessen Folge Russland die Fertigstellung von Buschehr-1 übernahm. Der Reaktor wurde aber erst 2011 in Betrieb genommen.[6]

Weitere Informationen unter:

Reaktor in Betrieb
Buschehr

Verworfene Reaktoren
Darkhovain
Isfahan
Saveh

Equirectangular projection SW AKW-Standorte

Weitere Projekte und Anlagen

Arak Heavy Water4

Forschungsreaktor in Arak (Iran)

In Karadsh bei Teheran befindet sich ein Atomforschungszentrum, das landwirtschaftlichen und medizinischen Zwecken dienen soll.[7]

In Teheran betreibt der Iran einen Forschungsreaktor, in dem Isotope für medizinische Zwecke erzeugt werden, außerdem zwei Urananreicherungsanlagen in Natans und Fordo. Erstere produziert seit 2007 schwach angereichertes Uran, letztere bis Januar 2014 auf 20 % angereichertes Uran. Darüber hinaus befindet sich der Schwerwasserreaktor Arak seit 2004 im Bau. Auch er sollte laut iranischen Angabe für medizinische und technische Zwecke genutzt werden, hätte aber auch die Erzeugung von waffenfähigem Plutonium ermöglicht.[8][7]

Arak (Iran)

Folgende weitere geplante nukleare Anlagen wurden angekündigt:

  • Im April 2013 ordnete der iranische Präsident die Eröffnung einer Uran-Umwandlungsanlage und die Erschließung der Uranmine Gachin an. → Uranabbau im Iran
  • Im Mai 2013 wurde der Bau eines zweiten Reaktors in Buschehr angekündigt[9], im September desselben Jahres sogar 20 Atomkraftwerke mit insgesamt 20.000 Megawatt Leistung[10]
  • Ab 2014 wollte der Iran außerdem selbst Brennstäbe in einer Atomfabrik bei Isfahan produzieren.[11] In der Anlage in Isfahan wird bereits seit 2006 in Konversionsanlagen Hexaflouridgas produziert, das zu Urananreicherung benötigt wird.[7]
  • Im November 2014 wurde gemeldet, dass der Iran und Russland ein Abkommen zum Bau von acht zusätzlichen Reaktoren in Buschehr und einem anderen Standort durch den russischen Konzern Rosatom unterzeichnet haben.[12] Im August 2016 bestätigte der russische Präsident Putin das Abkommen und stellte dem Iran Kredite in Höhe von 2,2 Mrd. Euro in Aussicht.[13]

Zusammenarbeit mit der IAEO

Nach einem Treffen im November 2013 vereinbarten der Iran und die IAEO einen Zeitplan für die Zusammenarbeit. Der Iran sagte dem IAEO-Chef Amano zu, Informationen über geplante AKW und Forschungsreaktoren zu übermitteln und Inspektionen zu erlauben.[14]

Mit dem internationalen Genfer Übergangsabkommen vom 23./24.11.2013, das sechs Monate gelten sollte, wurden Rahmenbedingungen für die friedliche Nutzung der Atomkraft im Iran beschlossen. Nach Angaben der US-Regierung sollen u. a. Uran nicht höher als 5 % angereichert und der Schwerwasserreaktor Arak nicht in Betrieb genommen werden. Außerdem gewährt der Iran der IAEO Zugang zu seinen nuklearen Anlagen.[15]

Am 14. Juli 2015 schlossen die USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland mit dem Iran ein Abkommen ab, das dem westasiatischen Staat zwar die friedliche Nutzung der Atomenergie erlaubt, die Herstellung von Atomwaffen jedoch untersagt. Der Iran erlaubt der IAEO Kontrollen und darf Uran nur schwach anreichern. Der Reaktor Arak soll so umgebaut werden, dass keine relevanten Mengen an Plutonium erzeugt werden können.[16]

→ dynamic.faz.net: Joint Comprehensive Plan of Action vom 14. Juli 2015

(Letzte Änderung: 11.03.2019)

Einzelnachweise

  1. IAEA: PRIS - CountryStatistics/Iran abgerufen am 11. März 2019
  2. Süddeutsche.de: Die gefährlichsten AKW-Standorte der Welt vom 7. März 2012
  3. IAEO: Member States abgerufen am 11. März 2016
  4. Wikipedia: Iranisches Atomprogramm
  5. WNA: Nuclear Power in Iran abgerufen am 9. Januar 2014
  6. IAEO: Country Nuclear Power Profiles/Iran abgerufen am 14. Februar 2015
  7. 7,0 7,1 7,2 nachrichten.at: Atomgespräche: Kerry sieht weiterhin "sehr bedeutende Differenzen" vom 13. Juli 2014
  8. Handelsblatt: Alle Atom-Streitpunkte mit dem Iran gelöst vom 10. Januar 2014
  9. Handelsblatt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks vom 27. Mai 2012
  10. de.ria.ru: Vizepräsident Salehi: Iran baut mit Russland neues Atomkraftwerk vom 23. September 2013
  11. Welt Online: Iran stellt selbst Brennstäbe für Atomanlage Buschehr her vom 22. Oktober 2013
  12. derStandard: Russland baut im Iran neue Atomkraftwerke vom 11. November 2014
  13. Deutschlandfunk: Putin bekräftigt Pläne zum Bau von acht Meilern im Iran vom 5. August 2016 (via WayBack)
  14. Spiegel Online: Umstrittenes Nuklearprogramm: IAEA und Iran einigen sich im Atomstreit auf Zeitplan vom 11. November 2013
  15. tagesschau.de: Die Genfer Vereinbarungen - Die Kernpunkte des Abkommens vom 24. November 2013
  16. FAZ.net: Atomabkommen mit Iran - "Ein Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt" vom 14. Juli 2015
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