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Reaktoren in Betrieb > Gundremmingen C (Bayern)

Siedewasserreaktor • Leistung: 1.344 MW • Typ: BWR-72 • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 20. Juli 1976 • Inbetriebnahme: 26. Oktober 1984 • Abschaltung: 31. Dezember 2021[1][2][3]


Letzter aktiver Siedewasserreaktor in Deutschland

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AKW Gundremmingen A (im Vordergrund), B und C

Am Standort Gundremmingen, gelegen in der Nähe der bayerischen Stadt Günzburg an der Donau, befinden sich drei Reaktoren. Während Gundremmingen A 1977 und Gundremmingen B Ende 2017 stillgelegt wurden, produziert Gundremmingen C weiterhin Strom.[4] Am Standort befindet sich darüber hinaus ein Zwischenlager.

Gundremmingen-C (KRB-II-C) ist der letzte Siedewasserreaktor, der in Deutschland noch am Netz ist. Die Einheit wurde am 26. Oktober 1984 in Betrieb genommen. Sie wird von der "Kernkraft Gundremmingen GmbH" (KGG) betrieben, Eigentümer sind zu 75 % die RWE Power AG und zu 25 % die E.ON-Tochter PreussenElektra GmbH.[1][5] Hersteller war die Kraftwerk Union (KWU).[2] Bauherren waren die Bayernwerk AG (später in E.ON aufgegangen) und RWE.[6]

Zwei Jahre nach der Inbetriebnahme wurde 1986 vom Kraftwerksleiter in Gundremmingen die Camerata Nucleare gegründet, das "Kammerorchester der Energiewirtschaft". Es sollte, insbesondere nach Tschernobyl, das Ansehen der Atomindustrie verbessern. Das Orchester musizierte u.a. jährlich auf der "Jahrestagung Kerntechnik“ des Deutschen Atomforums und gab 2015 sein letztes Konzert am Standort Gundremmingen.[7]

Geschichte seit 2011

Luftbild KKW Gundremmingen

AKW Gundremmingen

Nach der Fukushima-Katastrophe im März 2011 gab es im Mai 2011 eine spektakuläre Aktion von Umweltschützern gegen den Weiterbetrieb von Gundremmingen B und C, bei der Tausende von Luftballons mit Totenköpfen in die Luft aufstiegen. Sie sollten verdeutlichten, wohin nach einem schweren Unfall die radioaktive Wolke ziehen würde.[8]

2013 planten E.ON und RWE eine Leistungserhöhung von je 100 MW für Gundremmingen B und C.[9] In einem Gutachten vom 14. November 2013 kam dier Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) zum Schluss, "dass die Anlage die aktuellen Sicherheitsanforderungen an Kernkraftwerke im Erdbebenfall "nicht erfüllt"." Als Reaktion darauf erstellte der TÜV SÜD ein Gegengutachten, das zum Ergebnis kam, dass die Anlage alle Sicherheitsanforderungen erfülle. Die Atomaufsicht des Münchener Umweltministeriums stellte sich auf die Seite der Betreiber und bestätigte dies.[10] Das Bundesumweltministerium wollte eine Entscheidung zur Leistungserhöhung treffen, ohne den Rat der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) einzuholen.[11] Nachdem dem Bayerischen Landtag jedoch Zehntausende von Protestunterschriften überreicht worden waren, lehnte dieser den Antrag ab. Der Betreiber zog seinen Antrag auf Leistungserhöhung zurück.[12]

Am 26. Oktober 2017 reichten Naturschutzverbände aus Bayern und Baden-Württemberg eine Petition mit fast 11.000 Unterschriften beim bayerischen Landtag ein, in der eine komplette Abschaltung von Gundremmingen B und C schon im gleichen Jahr gefordert wurde. Diese wurde mit den Stimmen der CSU abgelehnt.[13] Am 16. Dezember überrreichten Atomkraftgegner Georg Nüßlein, dem stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, 40.183 Unterschriften zur sofortigen Abschaltung aller Reaktoren in Gundremmingen.[14]

Sicherheitsmängel und Störfälle

Gundremmingen-B und -C gelten als besonders gefährlich, weil sie nur mit nur einem Kühlkreislauf ausgerüstet sind. → Reaktortypen/Leichtwasserreaktoren

In der im Mai 2012 erschienenen Greenpeace-Studie "Critical Review of the EU Stress Test - performed on Nuclear Power Plants" wurden Mängel der Reaktoren Gundremmingen B und C detailliert aufgezählt. So sind diese beispielsweise weder gegen Erdbeben noch gegen Überflutungen ausreichend geschützt.[15]

Am 25. März 2015 kam es zu einem Zwischenfall, als ein Arbeiter versehentlich an den Bedienelementen von Block C und nicht, wie vorgesehen, von Block B hantierte. Die Öffnung eines Armaturgehäuses löste ein Leck, einen Druckabfall im Luftsystem und, nach Bedienung einer weiteren Armatur, eine Schnellabschaltung in Einheit C aus. Dies zeige, so der ehemalige Atomaufseher Dieter Majer, zu welchen Problemen der Betrieb von zwei Reaktoren an einem Standort führen könne.[16] Das Bayerische Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz behauptete laut einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag im Mai 2015, die Sicherheitseinrichtungen beider Anlagen seien "eindeutig blockzugeordnet und funktional und räumlich vollständig voneinander getrennt".[17]

Stilllegung und Rückbau

Laut Atomgesetz muss Gundremmingen-C bis 31. Dezember 2021 endgültig abgeschaltet werden.[3] Mit dem Rückbau möchte der Betreiber unmittelbar nach der Abschaltung beginnen.[18]

Laut "Augsburger Allgemeine" sollen Gundremmingen B und C bis 2040 endgültig rückgebaut und entsorgt werden. Die Rückbauarbeiten sollen größtenteils innerhalb der Reaktorgebäude durchgeführt werden. Dabei könne ein "geringer Anteil" radioaktiver Substanzen in Atmosphäre und Wasser freigesetzt werden. Die Grenzwerte sollen dabei nicht überschritten werden.[19] Die Rückbaukosten für beide Einheiten werden auf 1,5 Mrd. Euro geschätzt.[20]

Weitere Links

→ KGG: Homepage (Informationen des Betreibers)
Verein FORUM

Fernsehbeiträge

  • Energiewende auf bayerisch - Atomkraftwerk Gundremmingen wird hochgefahren
    "Nach der Atomkatastrophe von Fukushima schlug sich CSU-Ministerpräsident Seehofer vehement auf die Seite der Atomkraftgegner. Zwei Jahre danach fördert seine Landesregierung die Aufrüstung des Uralt-Meilers in Gundremmingen. RWE und EON wollen die Leistung ausbauen und bis zur Abschaltung Kasse machen."[21]

    Resümee des Kontraste-Beitrags: Gundremmingen B und C sind nicht für die Leistungssteigerung ausgelegt, die Bevölkerung wird aus Profitgründen gefährdet. Die Bayerische Regierung stützt sich bei der Genehmigung der Atomstromausweitung auf ein Gutachten des TÜV SÜD. Horst Seehofer lehnte eine Stellungnahme ab.
Energiewende auf bayerisch Atomkraftwerk Gundremmingen wird hochgefahren (ARD Kontraste)

Energiewende auf bayerisch Atomkraftwerk Gundremmingen wird hochgefahren (ARD Kontraste)

ARD, Kontraste vom 13. Juni 2013

(Letzte Änderung: 10.10.2020)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 8. Oktober 2020
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. 3,0 3,1 BASE: Laufzeiten und Elektrizitätsmengen deutscher Atomkraftwerke abgerufen am 8. Oktober 2020
  4. KGG: Homepage abgerufen am 8. Oktober 2020
  5. KGG: Das Kernkraftwerk/Portrait abgerufen am 8. Oktober 2020
  6. Kernkraftwerk Gundremmingen: Chronologie Blöcke B und C des Kernkraftwerks Gundremmingen 1973 – 2009 vom 13. März 2009 (via WayBack)
  7. FAZ.net: Orchester der Atomindustrie - Die Unvollendete vom 20. Februar 2015
  8. Süddeutsche.de: Mit Totenköpfen und Ballons gegen Atomkraft vom 14. Mai 2011
  9. swp.de: Aktivisten besorgt wegen Leistungserhöhung in Gundremmingen vom 24. Februar 2013
  10. Spiegel Online: Gundremmingen: Gutachten zweifelt an Erdbebensicherheit von AKW vom 7. März 2014
  11. FR Online: Ministerium ignoriert Atom-Experten vom 10. Dezember 2013 (via WayBack)
  12. Handelsblatt: Keine Ausweitung der AKW-Produktion vom 17. Dezember 2013
  13. swp.de: 11.000 Unterschriften: Petition gegen AKW Gundremmingen scheitert im Landtag vom 27. Oktober 2017
  14. Augsburger Allgemeine: Atom-Gegner überreichen 40.000 Unterschriften für AKW-Abschaltung  vom 17. Dezember 2017
  15. greenpeace.de: Critical Review of the EU Stress Test - performed on Nuclear Power Plants vom Mai 2012 (via WayBack)
  16. SWP: AKW: Falscher Handgriff wirft Fragen auf vom 1. April 2015
  17. Deutscher Bundestag: Fragen zur Blocktrennung bei den Atomkraftwerken Gundremmingen B und C im Lichte einer meldepflichtigen Reaktorschnellabschaltung (Drucksache 18/4888) vom 12. Mai 2015
  18. süddeutsche.de: Betreiber bereiten sich auf Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen vor vom 9. März 2016
  19. Augsburger Allgemeine: Bis 2040 soll Atomkraftwerk abgebaut sein vom 22. Oktober 2016
  20. bayernkurier.de: Der Letzte macht das Licht aus vom 28. Dezember 2019
  21. rbb-online.de Energiewende auf bayrisch: Atomkraftwerk Gundremmingen wird hochgefahren vom 13. Juni 2013
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