Atomenergie in Europa > Schweden > Forsmark (Schweden)
Weitere Atomunfälle und Störfälle > Forsmark (Schweden)

3 Siedewasserreaktoren • Leistung: 1.027 MW/1.157 MW/1.195 MW •
Typ: AA-III BWR-2500/AA-III BWR-2500/AA-IV BWR-3000 • Hersteller: ASEA ATOM •
Baubeginn: 1973/1975/1979 • Inbetriebnahme: 1980/1980/1984 •[1][2] Abschaltung: offen


Drei Reaktoren in Betrieb

AKW Forsmark, Einheiten 1 und 2 (Schweden)

Das Atomkraftwerk Forsmark befindet sich an der schwedischen Ostküste, nordöstlich der Stadt Uppsala.[3] Es besteht aus drei Siedewasserreaktoren mit 1.027 MW/1.157 MW/1.195 Leistung, die 1980/1980/1984 ans Netz gegangen sind. Eigentümer und Betreiber ist die Forsmark Kraftgrupp AB.[1] Hersteller war ASEA ATOM.[2]

Forsmark könnte auch Standort des künftigen Endlagers für hochradioaktive Abfälle werden; allerdings ist dazu noch keine endgültige Entscheidung gefallen (Stand: 29. Oktober 2020).[4]

2006: Ausfall der Stromversorgung und der Anzeigen

Am 25. Juli 2006 entging Schweden offenbar nur knapp einer nuklearen Katastrophe. Der Reaktor 1 des Atomkraftwerks Forsmark wurde aufgrund eines Kurzschlusses von der Stromversorgung abgeschnitten. Es sprangen nur zwei von vier Notstromaggregaten an. Eine Untersuchung des Störfalls ergab, dass aufgrund des Kurzschlusses Computer, Lautsprecher und Anzeigegeräte ausgefallen waren, so dass das Personal die Reaktordaten nicht klar erkennen konnte. "Beispielsweise sank der Wasserstand im Reaktor durch die Schnellabschaltung deutlich, das exakte Niveau blieb jedoch unklar wegen des Stromausfalls."[5]

Man sei nur 20 Minuten von einem GAU durch eine Kernschmelze entfernt gewesen, so der frühere Chefkonstrukteur des AKWs, Höglund. Die Chefin der schwedischen Kernkraftinspektion SKI, Judith Melin, wies das zurück."[6]

Auf einer Veranstaltung der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW erläuterte Höglund den Vorfall detailliert und wies darauf hin, dass die Ursache in einer nicht mit Kraftwerksbetreibern und SKI abgesprochenen und fehlerhaft durchgeführten Modernisierung der Stromversorgung lag. Höglund kritisierte die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen des Betreibers Vattenfall und der SKI: "Die SKI, die schwedische Atomsicherheitsbehörde, ist sich des Problems bewusst, aber anstatt die Atomindustrie zu zwingen, Konsequenzen daraus zu ziehen, pflegen sie lieber den Mythos „Schweden als Weltmeister atomarer Sicherheit."[7]

Der Unfall wurde als Störfall der INES-Stufe 2 klassifiziert.[8]

Weitere Störfälle und Risiken

Im September 2006 wurde einer der abgeschalteten Reaktoren wieder ans Netz genommen, die Inbetriebnahme eines zweiten verzögerte sich aufgrund weiterer Pannen; man entdeckte "Fehler beim Spaltprozess".[9] Im Dezember 2006 mussten der Reaktor 3 wegen beschädigter Brennstäbe und der Reaktor 1 wegen fehlerhafter Turbinensteuerung abgeschaltet werden.[10]

Anfang 2007 musste Vattenfall nachträglich Sicherheitsmängel am Atomkraftwerk einräumen, nachdem Mitarbeiter "einen langfristigen "Verfall der Sicherheitskultur" wegen des Strebens nach möglichst hoher Kapazitätsauslastung" konstatiert hatten.[11]

Im Oktober 2012 konnten Aktivisten von Greenpeace ins AKW Forsmark eindringen und dort eine ganze Nacht ungestört verbringen. Umweltministerin Ek stellte die Betreiber E.ON und Vattenfall zur Rede.[12]

Laut einer Stellungnahme von Greenpeace von 2012 stellen die schwedischen AKW in Forsmark, Oskarshamn und Ringhals wegen "technischer Mängel und einer schlechten Sicherheitskontrollkultur eine große Gefahr für die Bevölkerung in Schweden und seine Nachbarländer" dar. Auch sei das AKW laut EU-Stresstest schlecht gegen Naturkatastrophen gesichert, der Schutz gegen Terrorismus sei mangelhaft. Greenpeace forderte die sofortige Schließung.[13]

→ Vattenfall: Forsmark (Informationen des Betreibers)

(Letzte Änderung: 15.03.2021)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Sweden abgerufen am 14. März 2021
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Forsmark 1, Sweden abgerufen am 14. März 2021
  4. BR: Atommüll: Wie Finnland und Schweden Endlager planen vom vom 29. Oktober 2020
  5. Zeit Online: Geisterflug - Wie gefährlich war der Störfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark wirklich? vom 10. August 2006
  6. n-tv.de: Störfall in Forsmark - Atomdebatte neu angefacht vom 5. August 2006
  7. IPPNW.DE: Warnsignal Forsmark - Rede vom 10. September 2006 auf dem Weltkongress in Helsinki, Finnland
  8. iaea.org INES - The international nuclear and radiological event scale abgerufen am 14. Oktober 2014 (via WayBack)
  9. Spiegel Online: Forsmark - Panne beim AKW-Neustart vom 30. September 2006
  10. greenpeace.de Forsmark: Schwedisches Roulette mit Atomkraft vom 18. Dezember 2006
  11. Spiegel Online Vattenfall räumt Sicherheitsmängel im Atomkraftwerk Forsmark ein vom 30. Januar 2007
  12. Greenpeace: Greenpeace-Aktivisten noch immer in schwedischen AKWs vom 10. Oktober 2012
  13. Tagesspiegel: Mythos Atomkraft vom 4. Oktober 2012
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.