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Größter Energie- und Atomkonzern Frankreichs

Fessenheim, dienstältestes EDF-AKW in Frankreich

Die Électricité de France (EDF) ist der größte Energiekonzern Frankreichs. Sie wurde 1946 aufgrund einer Entscheidung der französischen Regierung gegründet, ein staatliches Monopol im Bereich der Energieversorgung zu etablieren. 2004 wurde sie zwar in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.[1] Sie befindet sich jedoch, da die französische Regierung 83 % der Aktien besitzt (Stand: 30. März 2017), de facto weiterhin in staatlicher Hand.[2]

Nachdem die EDF in den 1960er und 1970er Jahren mit Chinon, Brennilis/Monts d´Arrée und Saint-Laurent zunächst gasgekühlte Reaktoren ans Netz gebracht hatte, stieg sie nach der Ölkrise 1973 auf Druckwasserreaktoren um. Als erste Reaktoren dieses Typs gingen 1979 Fessenheim-1 und -2 in Betrieb.

Die EDF besitzt weiterhin eine Monopolstellung im Bereich der Atomenergie in Frankreich. Der Konzern ist Eigentümer aller 58 aktiven französischen Atomkraftwerke an 17 Standorten.[3] Eine Übersicht stellt der Konzern unter → EDF: Carte des centrales nucléaires bereit.

Global Player

Auf seiner Homepage bezeichnet sich die EDF als einen globalen Marktführer im Bereich der "low-carbon energy", der erfolgreich wirtschaftliches Wachstum mit Klimaschutz verbinde.[4] Sie betreibt Niederlassungen in fünfzehn Staaten weltweit.[5]

Mit der Übernahme der British Energy durch die EDF Energy am 3. Februar 2009 wurde die Électricité de France in Großbritannien zu einem der größten Energieunternehmen und Eigentümer aller aktiven britischen Atomkraftwerke.[6]

In Deutschland war die EDF bis 2011 mit 45 % an EnBW beteiligt, hat ihren Anteil aber mittlerweile veräußert und möchte bei der Energiewende mitwirken.[7]

Im Oktober 2012 wurde gemeldet, dass die EDF, die AREVA und die GE Hitachi Nuclear Energy den Bau von Atomkraftwerken in Polen unterstützen wollen und Absichtserklärungen unterzeichnet haben.[8] Ob oder wann Polen in die Atomkraft einsteigt, ist jedoch offen.

Hoher Schuldenstand

Nachdem AREVA, ehedem Weltmarktführer im Bereich der Atomindustrie, 2015 einen Verlust von vier Mrd. Euro einfuhr,[9] wurde am 4. Juni 2015 bekanntgegeben, dass die EDF die Mehrheit bei der Reaktorsparte von AREVA übernimmt.[10] Am 15. November 2016 wurde die Übernahme für 2,5 Mrd. Euro vertraglich besiegelt; die AREVA NP wurde in New NP umbenannt. Nicht übertragen wurde das Bauprojekt Olkiluoto (Finnland).[11]

Milliardengrab Flamnville-3

Der Neubau des Europäischen Druckwasserreaktors Flamanville 3 in Frankreich hat sich für die EDF zu einem Milliardengrab entwickelt. Die ursprünglich veranschlagten Kosten von 3 Mrd. Euro wurden in einer Schätzung von 2015 auf 10,5 Mrd. Euro angehoben. Der Termin für die Inbetriebnahme wurde auf das Frühjahr 2018 verschoben.[12]

2016 belief sich der Schuldenstand der EDF auf stattliche 37 Mrd. Euro; dies hinderte den Konzern jedoch nicht, in das auf 21 Mrd. Euro geschätzte Neubauprojekt Hinkley Point C in Großbritannien einzusteigen.[13]

Im September 2016 unterzeichneten die Électricité de France und die chinesische CGN zudem Verträge zur Entwicklung von zwei EPR-Reaktoren am britischen Standort Sizewell.[14]

Anfang 2018 schloss EDF die Übernahme des AREVA-Reaktorgeschäfts ab und ist nun Eigentümer von 75,5 % des Kapitals. Zuvor hatte der französische Staat AREVA durch eine Kapitalspritze von insgesamt 4,5 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet.[15] Das Reaktorgeschäft tritt nun wieder unter dem alten Namen Framatome an, den es schon bis 2006 getragen hatte. Weitere Anteilseigner sind Mitsubishi Heavy Industries zu 19,5 % und der französische Konzern Assystem zu 5 %.[16]

Kritik

Die EDF setzte sich nach der Fukushima-Katastrophe vehement für eine weitere Nutzung der Atomenergie ein, auch mit unlauteren Mitteln. Sie "hat sich in die Computer von Greenpeace gehackt und die Atomkraftgegner systematisch ausspioniert. Dafür muss der Konzern den Umweltschützern nun Schadensersatz zahlen. Zwei Manager erhielten Haftstrafen."[17]

2012 kam die EDF wegen des Umgangs mit Leiharbeitern in die Schlagzeilen. So forderte der Selbsthilfeverein der französischen Fremdarbeiter, dass zur Verringerung von Strahlungsrisiken vermehrt Roboter eingesetzt werden sollen. Die Aufsichtsbehörde ASN rief die EDF auf, ihrer Verantwortung für extern vergebene Arbeiten besser gerecht zu werden.[18]

(Letzte Änderung: 07.01.2018)

Einzelnachweise

  1. EDF: History abgerufen am 17. April 2017
  2. EDF: EDF Group's share capital at 30 March 2017 abgerufen am 17. April 2017
  3. IAEO: PRIS - Country Statistics/France abgerufen am 14. April 2017
  4. EDF: EDF at a glance abgerufen am 17. April 2017
  5. EDF: EDF in the world abgerufen am 17. April 2017
  6. British Energy: British Energy, part of EDF Energy abgerufen am 17. April 2017 (via WayBack)
  7. EDF Deutschland: Unsere Präsenz abgerufen am 19. April 2017
  8. nuklearforum.ch: Polens Kernenergiepläne ziehen Kreise vom 17. Oktober 2012
  9. Yahoo: Noch höherer Milliardenverlust für Atomkonzern vom 21. Februar 2015 (via WayBack)
  10. n-tv.de: EDF übernimmt Reaktorsparte - Paris treibt Areva-Aufspaltung voran vom 4. Juni 2015
  11. nuklearforum.ch: Übernahme des Areva-Reaktorgeschäfts unter Dach und Fach vom 18. November 2016
  12. world nuclear news: Flamanville EPR timetable and costs revised vom 3. September 2015
  13. Tagesspiegel: Das Projekt Hinkley Point C - Nachdenken über Atomkraft vom 31. Juli 2016
  14. Ipswichstar: Deals to develop Sizewell C signed between EDF and Chinese company CGN vom 29. September 2016
  15. Handelsblatt: EDF schließt Übernahme von Areva-Reaktorgeschäft ab vom 2. Januar 2018
  16. greenpeace.org: Bisheriges Areva-Reaktorgeschäft in Framatome umbenannt vom 4. Januar 2018
  17. Frankfurter Rundschau: Atomkonzern hackt Greenpeace und muss nun zahlen vom 16. November 2011
  18. Deutschlandfunk: Unterbezahlt und hoch gefährdet - Leiharbeiter im französischen Atompark vom 14. März 2012
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