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Forschungszentrum in Südfrankreich

Forschungszentrum Cadarache

Das Forschungszentrum Cadarache befindet sich in der Provinz Bouches-du-Rhône im französischen Süden, bei der Gemeinde Saint-Paul-lez-Durance nordöstlich von Marseille und Aix-en-Provence.[1]

Cadarache wurde am 14. Oktober 1959 gegründet und ist eines von neun Zentren des CEA (Commissariat à l’Energie Atomique et aux Energies Alternatives). Es betreibt Forschung und Entwicklung in den Bereichen Kernspaltung, Kernfusion, Erneuerbare Energien, Ökophysiologie der Pflanzen und Mikrobiologie.[2]

Das Centre de Cadarache liegt auf der sogenannten Durance-Verwerfung, einer geologischen Bruchzone, an der sich im Abstand von rund 100 Jahren immer wieder starke bis verheerende Erdbeben ereignet haben, zuletzt 1913. Die meisten Anlagen in Cadarache werden deshalb von französischen Seismologen als Strahlenrisiko für die Region angesehen.[3]

Forschungsanlagen

Bekannt ist Cadarache vor allem aufgrund seiner Forschung im Bereich der Kernfusion:

ITER (im Bau befindliche Kernfusionsanlage von Typ Tokamak)
Tore Supra/WEST (seit 1988 betriebene Forschungsanlage vom Typ Tokamak)

Darüber hinaus wurden bzw. werden in Cadarache weitere 18 Forschungsanlagen zur Grundlagenforschung im Bereich der Atomspaltung betrieben.[1]

Im Bau befindet sich ein Forschungsreaktor, in dem u.a. Bestrahlungsexperimente von Materialien und Brennstoffen für Atomreaktoren der heutigen Generation III und der geplanten Generation IV durchgeführt werden sollen.

Jule-Horowitz-Reaktor

Kernschmelze-Experimente und Störfall 2009

Der "Spiegel" berichtete 1994, dass trotz der erdebengefährdeten Lage des Forschungszentrums am 2. Dezember 1993 zu Testzwecken ein Mini-GAU in Cadarache erzeugt wurde.[3] Kern des Experiments war "eine kontrollierte Reaktor-Kernschmelze, die offenbaren soll, was sich im Katastrophenfall im Inneren eines Atommeilers abspielt."[4] Das zugrundeliegende Forschungsprogramm "Phébus" war 1988 initiiert worden; im gleichnamigen Reaktor wurden zwischen 1993 und 2004 insgesamt fünf derartige Experimente durchgeführt.[5]

Am 6. Oktober 2009 wurde der französischen Atomenergiekommission CEA vom Betreiber der Plutonium-Fabrik ATPu ein unerwarteter zusätzlicher Bestand von 39 Kilogramm Plutonium in einem abgedichteten Behältern gemeldet. In dieser Anlage war 40 Jahre lang MOX produziert worden; sie befand sich zu jener Zeit bereits im Rückbau. Das zusätzliche Plutonium hatte der Betreiber wohl schon im Juni 2009 entdeckt, aber Monate lang verschwiegen. Das Ereignis wurde als singnifikanter Mangel in der Sicherheits-"Kultur" des Betreibers und als Störfall der Stufe 2 der siebenstufigen INES-Skala gewertet.[6][7]

(Letzte Änderung: 18.04.2017)

Einzelnachweise

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