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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Brasilien

Reaktoren in Betrieb: 2 • im Bau: 1 • stillgelegt: - [1]


Kooperation mit Deutschland

Copacabana (Brasilien)

Brasilien ist ein Gründungsmitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) 1957.[2]

Der südamerikanische Staat ging in den 1970er Jahren eine Kooperation mit Deutschland ein, um mit Hilfe eines ehrgeizigen Atomprogramms zur Weltmacht aufzusteigen. Nachdem das US-Unternehmen Westinghouse den schlüsselfertigen Reaktor Angra-1 geliefert hatte, wollte Brasilien acht Atomkraftwerke sowie Atomanlagen für einen kompletten Brennstoffkreislauf, inklusive einer Wiederaufarbeitungsanlage, in Deutschland einkaufen. Die deutsche Kraftwerk Union begann mit dem Bau des Reaktors Angra-2. Aufgrund technischer und finanzieller Probleme wurde das Atomprogramm in den 1980er Jahren jedoch zurückgefahren und zunächst auf die beiden Reaktoren beschränkt.[3]

Die Reaktoren Angra-1 und -2 wurden 1982 und 2000 in Betrieb genommen. Im Juli 2007 kündigte der damalige Präsident Lula an, einen dritten, 1975 begonnenen und 1991 aufgegebenen Reaktor in Angra vollenden und darüber hinaus weitere AKW bauen zu wollen. Angra-3 ist jedoch bis heute nicht fertiggestellt worden. Detaillierte Informationen dazu unter:

Angra

Equirectangular projection SW.jpg AKW-Standorte

Im Mai 2014 wurde im Deutschen Bundestag ein Eilantrag gestellt, mit dem Ziel, das Kooperationsabkommen zur Nutzung der Atomkraft mit Brasilien, das seit 1975 besteht, zu kündigen, da es dem Atomausstieg widerspreche.[4] Der Antrag wurde von der CDU/SPD-Mehrheit abgelehnt.[5] Immer wieder kritisiert wurden die Hermesbürgschaften, mit denen die Bundesregierung AKW-Neubauprojekte auch in Brasilien förderte. Minister Sigmar Gabriel kündigte im Juni 2014 ein Ende dieser Exportgarantien an.[6]

Ernster Unfall von 1987, Forschungsreaktoren, Urananreicherungsanlage

Im September/Oktober 1987 ereignete sich in der zentralbrasilianischen Stadt Goiânia eine nukleare Katastrophe. Ganze Stadtviertel wurden verseucht, vier Menschen starben offiziell, Hunderte wurden verstrahlt, nachdem aus einem stillgelegten medizinischen Zentrum ein Stahlzylinder mit Cäsium-137 entwendet und die radioaktive Substanz ohne Wissen um die Gefahren verteilt worden war. → Goiania, Brasilien 1987

Brasilien besitzt vier Forschungsreaktoren, von denen der älteste mit der Bezeichnung IEA-R1 1957 in Betrieb ging.[7]

Der südamerikanische Staat betreibt zudem die Brennstofffabrik "Resende" mit Urananreicherungsanlage im Bundesstaat Rio de Janeiro. → Resende

Darüber hinaus besitzt Brasilien eine Anlage zur Erforschung der Kernfusion. → NOVA-UNICAMP

Weitere Atomkraftwerke?

Im Juni 2012 gab Brasilien bekannt, dass nach Angra-3 keine neuen Atomkraftwerke gebaut werden sollen, da kein Bedarf bestehe. Der Energiebedarf des Landes könne durch erneuerbare Energien gedeckt werden.[8] Im September 2013 äußerte sich der Chef der staatlichen brasilianischen Energieplanungsbehörde dahingehend, dass das Land künftig mehr auf Windenergie setzen werde.[9]

2013 gab es jedoch wieder Überlegungen, weitere Einheiten zu errichten. Als Standorte wurden Pernambuco im Nordosten mit 6.000 bis 6.600 MW (vier Druckwasserreaktoren) und Minas Gerais im Südosten mit 4.000 bis 6.000 MW (vier Druckwasserreaktoren) vorgeschlagen.[10]

Im Juni 2015 wurde von vier geplanten Neubauten berichtet. Da die Finanzierung aber problematisch ist, prüft Brasilien Möglichkeiten, private Unternehmen an Bau und Betrieb von Atomkraftwerken zu beteiligen.[11]

Im Januar 2019 wurde berichtet, dass die neue Regierung unter Präsident Bolsonaro den Bau von vier bis acht Reaktoren anstrebt.[12]

Weitere Links

→ taz.blogs: Deutsch-brasilianisches Bombengeschäft: Der Atomdeal und die Ungehorsamen vom 6. März 2014

(Letzte Änderung: 14.06.2021)

Einzelnachweise

  1. IAEA: PRIS - CountryStatistics/Brazil abgerufen am 14. Juni 2021
  2. IAEO: Member States abgerufen am 14. Juni 2021
  3. DER SPIEGEL 29/1985: Die zehn Jahre sind für uns völlig verloren vom 14. Juli 1985
  4. Deutscher Bundestag: Kündigung bilateraler Kooperationen im Bereich der Nutzung atomarer Technologien (Drucksache 18/1336) vom 7. Mai 2014
  5. Das Parlament: "Doppelte moralische Standards" vom Mai 2014 (via WayBack)
  6. taz.de: Keine Atom-Förderung im Ausland mehr - Umweltverbände nur halb zufrieden vom 13. Juni 2014
  7. IAEO: Research Reactors/Countries: Brazil abgerufen am 4. April 2014
  8. oekonews.at: Brasilien: Pläne für neue Atomkraftwerke vom Tisch vom 15. Juni 2012
  9. Aargauer Zeitung: Brasilien wendet sich von Atomenergie ab und setzt auf Wind vom 15. September 2013
  10. WNA: Nuclear Power in Brazil abgerufen am 14. Juni 2021
  11. BrasilNews: Brasilien nimmt Pläne für Atomenergie wieder auf vom 18. Juni 2015 (via WayBack)
  12. Brazil Monitor: Bolsonaro Administration Wants To Build Up To Eight Nuclear Power Plants vom 23. Januar 2019 (via WayBack)
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