Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Bolivien

Ankündigungen zum Einstieg in die Atomkraft seit 2010

La Paz (Bolivien)

Bolivien ist seit 1963 Mitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).[1]

Der bolivianische Präsident Evo Morales kündigte im Jahr 2010 an, dass sein Land, das über Uranvorkommen verfügt, mit iranischer Hilfe ein Atomkraftwerk bauen wolle.[2]

Am 26. April 2011 vollzog Morales aufgrund der Fukushima-Katastrophe vorübergehend einen Kurswechsel: "Südamerika sollte frei von Atomkraft sein, um das Leben der Bolivianer, der Südamerikaner und der Lateinamerikaner zu verteidigen".[3]

Im Oktober 2013 erklärte Morales jedoch, die Nutzung der Atomenergie in Kooperation mit Frankreich und Argentinien vorantreiben zu wollen.[4] Dies, so die Begründung, solle dazu beitragen, das Bolivien künftig nicht mehr als "letztes Land in Lateinamerika" wahrgenommen werde. Bolivien habe ein Recht auf die friedliche Nutzung der Atomenergie.[5]

Am 2. Oktober 2014 gab Morales bekannt, dass bereits in diesem Jahr mit dem Bau eines Atomkraftwerks begonnen werden sollte. Bis 2025 sollten zwei Mrd. Dollar in die Atomkraft investiert werden.[6] Zuvor hatte das staatliche Unternehmen Corporacion Minera de Bolivia ein Uranvorkommen in der östlichen Provinz Santa Cruz entdeckt, dessen Umfang allerdings unbekannt ist.[7]

Nukleares Forschungs- und Entwicklungszentrum

Am 27. August 2015 unterzeichnete Präsident Morales einen Vertrag zu Errichtung eines nuklearen Forschungs- und Entwicklungszentrums für umgerechnet 1,7 Mrd. Euro im Süden der Hauptstadt La Paz, das ab 2025 genutzt werden soll. An anderer Stelle im Land soll ein Atomkraftwerk errichtet werden. Morales bezeichnete Gegner der Atomkraft in seinem Land als "Feinde Boliviens".[8] Am 10. Oktober 2015 wurde ein entsprechendes Abkommen vom bolivianischen Energieminister und dem russischen Konzern ROSATOM unterzeichnet.[9]

Der Bau des Forschungszentrums, das einen Teilchenbeschleuniger und ein "Zentrum zur medizinischen Strahlentherapie" enthalten soll, stößt auf Widerstand bei einem Teil der Bevölkerung in La Paz. Der anfallende Atommüll soll per Schiff nach Russland transportiert werden.[10]

Im September 2017, Dezember 2018 und März 2019 wurden mit ROSATOM weitere Abkommen zum Forschungszentrum unterzeichnet, das im bolivischen El Alto in einer Höhe von 4.000 Metern über dem Meeresspiegel entstehen soll.[11]

(Letzte Änderung: 08.03.2020)

Einzelnachweise

  1. IAEO: Member States abgerufen am 11. März 2016
  2. tagblatt.ch: Bolivien plant Bau von Atomkraftwerk vom 31. Oktober 2010 [Seite nicht mehr verfügbar]
  3. amerika21.de: Bolivien verzichtet auf Atomkraft vom 25. April 2011
  4. latinapress: Bolivien: Morales will Nutzung der Kernenergie vorantreiben vom 30. Oktober 2013
  5. 02elf.net: Bolivien wird bald über eigene Atomenergie verfügen vom 7. Januar 2014 [Seite nicht mehr verfügbar]
  6. nordbayerischer-kurier.de: Bolivien will ersten Atomreaktor bauen vom 3. Oktober 2014 (via WayBack)
  7. Latin Post: Bolivia: President Evo Morales Announces Plans to Build Nuclear Power Plant vom 4. Oktober 2014
  8. derStandard: Bolivien baut AKW und investiert in Atomforschung vom 27. August 2015
  9. amerika21: Bolivien und Russland schließen Abkommen über Kernenergie vom 10. Oktober 2015
  10. amerika21: Bolivien bringt Forschungszentrum für Kernenergie auf den Weg vom 24. November 2015
  11. ROSATOM: Rosatom Reaches a Significant Milestone in Bolivian CNTRD Construction vom 28. März 2019
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