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Atomenergie in Europa > Russland > Bilibino (Russland)

4 graphitmoderierte Leichtwasserreaktoren •
Leistung: 4 x 12 MW • Typ: 4 x EGP-6 • Hersteller: Minatomenergo •
Baubeginn: 1970 • Inbetriebnahme: 1973/1974/1975/1976 •[1][2] Abschaltung: 2019 (Bilibino-1)


Altreaktoren jenseits des Polarkreises

AKW Bilibino (Russland)

Der AKW-Standort liegt im autonomen Kreis der Tschuktschen im nordöstlichen Sibirien, nur 4,5 Kilometer von Bilibino entfernt.[3]

Er umfasst vier Leichtwasser-Graphitreaktoren mit einer Leistung von je 12 MW Strom, die 1973 bis 1976 in Betrieb gegangen sind. Bilibino-1 wurde am 14. Januar 2019 endgültig stillgelegt. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die russische Gesellschaft Rosenergoatom,[1] Hersteller war Minatomenergo. Drei weitere graphitmoderierte Leichtwasserreaktoren mit je 32 MW waren geplant und sollten 2004, 2005 und 2008 in Betrieb gehen, wurden aber nicht realisiert.[2]

Bilibino liegt jenseits des Polarkreises auf dem Dauerfrostboden und beliefert Erdbauunternehmen mit Energie. 2005 wurde die AKW-Laufzeit der vier Einheiten um 15 Jahre verlängert.[4]

Das Bundesumweltamt zählt die Region zu einer Zone hohen Risikos wegen des tauenden Permafrosts. Es seien hohe Investitionen in die Schadensbekämpfung und -minderung notwendig.[5]

2017 wurde berichtet, dass Bilibino-1 2019 und die ganze Anlage 2021 stillgelegt werden sollen; das schwimmende Atomkraftwerk Akademik Lomonosov (Russland) soll die Anlage ersetzen.[6] Bilibino-1 wurde in der Tat am 14. Januar 2019 endgültig stillgelegt.[1]

Radioaktive Verseuchung der Tschuktschen-Region

Das fehlerhafte Design der Reaktoren und diverse Leckagen am Primärkreislauf haben laut Green Cross Russia (GCR) zu einer Verseuchung der Tschuktschen-Region geführt. Die direkte Umgebung wurde mit Strontium-90, Cäsium-137 und Tritium kontaminiert. Mehrere Störfälle wurden aus dem Jahr 1991 bekannt, worunter einer, vom 10. Juli 1991, in die INES-Stufe 3 eingeordnet wurde. Aus einem Leck war hochradioaktiver flüssiger Atommüll ausgetreten, der das Gelände des AKW und umliegende Bereiche verseuchte. Eine 1992 geplante Modernisierung des AKWs wurde nicht durchgeführt.[7]

Im März 1996 wurde Bilibino-3 wegen eines Lecks per Notabschaltung heruntergefahren.[8]

1998 ereignete sich ein nicht näher beschriebener Störfall der INES-Stufe 2 in Bilibino.[9]

Weitere Links

→ Rosenergoatom: Bilibino NPP (Homepage des Betreibers, via WayBack)
→ Bellona Foundation: Glitching safety system at Russia’s aged Bilibino NPP causes emergency reactor shutdown vom 8. November 2010
→ englishrussia.com: The Bilibino Nuclear Power Plant vom 2. April 2012 (Bilder einer Exkursion zum AKW)

(Letzte Änderung: 29.12.2020)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 IAEO: PRIS - Country Statistics/Russian Federation abgerufen am 29. Dezember 2020
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. Rosenergoatom: Bilibino NPP abgerufen am 30. April 2017 (via WayBack)
  4. russland.ru: Kurzschluss im Kernkraftwerk Bilibino - keine Opfer vom 29. April 2005 (via WayBack)
  5. Bundesumweltamt: Klimagefahr durch tauenden Permafrost? vom August 2006
  6. world nuclear news: Russian floating plant cargo arrives at Pevek vom 30. Oktober 2017
  7. greencross.ch: FLOATING NUCLEAR POWER PLANTS IN RUSSIA: A THREAT TO THE ARCTIC, WORLD OCEANS AND NON-PROLIFERATION TREATY (S. 73ff.) von 2004
  8. Nuclear Energy Institute: Soviet-Designed Nuclear Power Plants in Russia, Ukraine, Lithuania, Armenia, the Czech Republic, the Slovak Republic, Hungary and Bulgaria (Fifth Edition) von 1997 (via WayBack)
  9. ec.europa.eu: Country Report Russian Federation vom Dezember 2000 (via WayBack)
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