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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Argentinien > Atucha (Argentinien)

2 Schwerwasserreaktoren • Leistung: 362 MW/745 MW • Hersteller: Siemens/KWU
Typ: PHWR KWU/PHWR KWU • Baubeginn: 1. Juni 1968/14. Juli 1981 •
Inbetriebnahme: 13. Januar 1974/3. Juni 2014 • [1][2] Abschaltung: offen


Schwerwasserreaktoren von Siemens/KWU

AKW Atucha (Argentinien)

Der Standort Atucha befindet sich im Stadtteil Lima der Stadt Zárate am Rio Paraná, ca. 100 km von Buenos Aires entfernt.[3]

Argentinien betreibt dort zwei Schwerwasser-Druckreaktoren mit 362 und 745 MW Leistung. Die Einheit Atucha-1 ging 1974 in Betrieb, Atucha-2 im Jahr 2014. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die argentinische Gesellschaft Nucleoeléctrica Argentina S.A.[1] Hersteller waren Siemens (Atucha-1) und KWU (Atucha-2).[2]

Argentinien hatte Atucha-1 1968 bei Siemens bestellt. Die deutsche Industrie erhoffte sich von diesem Reaktortyp große Exportchancen in den internationalen Märkten. Allerdings musste dieser erste kommerzielle Reaktor Lateinamerikas komplett von Deutschland finanziert werden und ist als Exportartikel, abgesehen von Atucha-2, ein Sonderfall geblieben.[4]

Mit dem Bau von Atucha-2 war im Jahr 1982 begonnen worden. 1994, nachdem bereits 80 % des Reaktors fertiggestellt waren, erfolgte wegen organisatorischer Änderungen bei Siemens ein Baustopp.[5] Nach Angabe des Bundeswirtschaftsministeriums entstanden dem deutschen Bundeshaushalt deswegen Schäden in Höhe von 950 Mio. Euro.[6]

Wegen fehlender Finanzierung wurde der Bau immer wieder unterbrochen und erst am 28. September 2011 abgeschlossen. Die Inbetriebnahme hätte eigentlich Mitte 2012 erfolgen sollen,[7] wurde aber noch einmal um zwei Jahre verschoben. Erst am 27. Juni 2014 produzierte Atucha-2 zum ersten Mal Strom; die Leistung wurde schrittweise erhöht.[8] Am 18. Februar 2015 erreichte das AKW 100 % seiner Leistung. Der Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung in Argentinien erhöhte sich damit von 7 auf 10 %.[9] Am 26. Mai 2016 erhielt Atucha-2 nach Erfüllung bestimmter Auflagen eine volle Lizenz für den kommerziellen Betrieb.[10]

2018 wurde die Laufzeit von Atucha-1 um fünf Jahre bis 29. September 2024 verlängert.[11]

→ Nucleoeléctrica Argentina S.A.: Atucha I und Atucha II (Informationen des Betreibers)

Störfälle

Am 22. Dezember 1987 traten während einer Revision 50 Tonnen schweren Wassers aus dem Primärkreislauf von Atucha-1 aus, weil ein Abschlusstropfen nicht nach Vorschrift am Kühlkanal des Reaktordruckbehälters befestigt war. Das Wasser, das sich im Gebäudesumpf gesammelt hatte, konnte aufgefangen werden. Es war mit Tritium kontaminiert, weshalb Radioaktivität im Sicherheitsbehälter aufstieg und dieser nur mit Strahlenschutzausrüstung betreten werden konnte. Menschen und Umwelt sollen nicht gefährdet gewesen sein.[12]

Am 11. August 1988 musste Atucha-1 wegen zunehmender Aktivität und Vibrationen im Reaktor notabgeschaltet werden; im Reaktorkessel wurden Teile von Brennstäben entdeckt.[13]

Laut "statista" hat sich 2005 ein Störfall der INES-Stufe 2 in Atucha ereignet, der aber nicht näher beschrieben wurde.[14]

In Planung: Atucha-3 und -4

Ein zusätzlicher Reaktor Atucha-3 ist seit 2009 in Planung, mit dem Bau wurde aber bislang nicht begonnen.[15] Die Nucleoeléctrica Argentina gab 2012 bekannt, dass für eine vierte Einheit in Argentinien Standort und Leistung festgelegt werden sollen.[16] Im Juli 2014 unterzeichneten Argentinien und Russland einen Kooperationsvertrag; der russische Staatskonzern ROSATOM soll am Bau von Atucha-3 beteiligt werden.[17]

Am 17. November 2015 unterzeichneten Argentinien und China einen Vertrag zum Bau einer vierten und einer fünften Einheit mit einem Wert von 15 Mrd. US-Dollar, wovon China einen Anteil von 85 % finanzieren soll.[18]

2019 wurde berichtet, dass für die vierte Einheit (Atucha-3) ein chinesischer Reaktor vom Typ Hualong One mit 1.150 MW Leistung vorgesehen ist, während Pläne für die fünfte Einheit aufgegeben wurden.[19]

(Letzte Änderung: 12.06.2021)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Argentina abgerufen am 11. Juni 2021
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. Nucleoeléctrica Argentina S.A.: Atucha I und Atucha II abgerufen am 11. Juni 2021
  4. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 181f.
  5. Deutsche Welle: Wende in Lateinamerikas Atompolitik? vom 17. März 2011
  6. taz.de: Staat sichert Risiken für Atomgeschäft ab vom 22. Januar 2010
  7. nuklearforum.ch: Argentinien: Bau von Atucha-2 vollendet vom 13. Oktober 2011
  8. nuklearforum.ch: Argentinien: Atucha-2 am Netz vom 2. Juli 2014
  9. télam: La Central Nuclear Néstor Kirchner alcanzó 100% de potencia y entregará 5,8 millones de megavatios hora al año vom 18. Februar 2015
  10. world nuclear news: Atucha 2 receives full operating licence vom 31. Mai 2016
  11. nuklearforum.ch: Laufzeitverlängerung für Atucha-1 vom 30. April 2018
  12. Deutscher Bundestag: Unfälle in argentinischen Atomanlagen, insbesondere im AKW Atucha I (Drucksache 11/2911) vom 13. September 1988
  13. Greenpeace: Der Jahreskalender: August abgerufen am 11. Juni 2021
  14. statista: Atomunfälle nach Bewertung auf der INES-Skala weltweit in den Jahren 1957 bis 2011 vom 12. Mai 2011
  15. www.worldnuclearreport.org: World Nuclear Industry Status Report 2012 (PDF, S. 53) vom Juli 2012
  16. www.nuklearforum.ch: Argentinien: Betriebsaufnahme von Atucha-2 Mitte 2013 vom 18. Juli 2012
  17. FAZ.net: Russisches Atomabkommen mit Argentinien vom 13. Juli 2014
  18. INNCH: Argentina and China sign two reactor construction agreements vom 17. November 2015
  19. WNA: Country Profiles - Nuclear Power in Argentina abgerufen am 11. Juni 2021
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