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Arten und Anzahl von Transporten

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Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), das für die Genehmigung des Transports radioaktiver Stoffe zuständig ist, unterscheidet Transporte für "Medizin (Diagnostik, Therapie), Technik (Durchstrahlungsprüfungen), Forschung oder Energiegewinnung (Ver- und Entsorgung von Kernkraftwerken)". Das BASE erteilt Genehmigungen nur, "wenn die Vorschriften des Atomrechts und des Gefahrgutrechts eingehalten werden".[1]

Nach Angaben der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) werden in Deutschland jährlich über eine halbe Million Versandstücke mit radioaktiven Stoffen transportiert, von denen die meisten nur eine geringe Radioaktivität aufweisen.[2]

Einen umfassenden Überblick über die Transporte gab eine intac-Studie aus dem Jahre 2011, nach der jährlich 10.000 Transporte in Zusammenhang mit der Nutzung der Atomenergie stattfanden. Als besonders gefährlich wurden Transporte von Uranhexafluorid, MOX- und Uranbrennelementen eingeschätzt, bei denen Unfälle tödliche Folgen haben können. Gewarnt wurde außerdem vor den Folgen terroristischer Angriffe.[3]

Zweifel an der Sicherheit und Geheimhaltung

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ZDF planet e. Deutschlands heimliche Atomtransporte

Hochgeladen auf YouTube am 6. Mai 2016

Dass es keine zentrale Aufsicht für die Transporte durch den Bund, sondern nur eine dezentrale durch die Länder gibt, lassen Zweifel aufkommen, ob es um die Sicherheit beim Transport radioaktiver Stoffe wirklich so gut bestellt ist, wie dies beschrieben wird.[1]

Viele radioaktive Stoffe werden ohne polizeilichen Begleitschutz, ausreichende Prüfung und Sicherung transportiert. Belege dafür haben wir in den folgenden Seiten zusammengestellt. → Transporte auf Straßen, Transporte auf Schienen, Transporte auf Gewässern

Atomkraftgegner kritisieren, dass Atomtransporte meist geheim gehalten werden, wie z. B. auch durch die rot-grüne Regierung in Niedersachsen. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) erklärte dazu im Mai 2013, dass Geheimhaltung Teil des Sicherungskonzepts sei. Über die Vorgaben des Bundes könnten sich die Länder nicht einfach hinwegsetzen. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz gibt es diese Geheimhaltungspflicht seit 2012.[4]

Auch der "Spiegel" wies in einem Artikel aus dem Jahr 2013 darauf hin, dass die Transporte verborgen und unbemerkt von der Öffentlichkeit abgewickelt werden, und stellte eine interaktive Karte zu den Atomtransporten in Deutschland bereit. Zwei wichtige Knotenpunkte sind dabei Lingen mit seiner Brennelementefabrik und Gronau mit der Urananreicherungsanlage.[5]

Immerhin stellte die Bundesregierung im Oktober 2018 dem Bundestag detaillierte Listen zu den von Januar 1990 bis September 2018 durchgeführten innerdeutschen und grenzüberschreitenden Atomtransporten zur Verfügung.

→ Deutscher Bundestag: Atomtransporte (Drucksache 19/5231) vom 18. Oktober 2018

(Letzte Änderung: 15.06.2020)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 BASE: Wie werden radioaktive Stoffe transportiert? abgerufen am 7. März 2020
  2. GRS: Transportsicherheit abgerufen am 15. Juni 2020
  3. gruene-bundestag.de: Studie zu Transporten radioaktiver Stoffe in der Bundesrepublik Deutschland vom September 2011 (via WayBack)
  4. NWZ Online: Geheime Atomtransporte im Land vom 28. Mai 2013
  5. Spiegel Online: Die verborgenen Wege der Atomtransporte vom 29. Mai 2013
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