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Atomenergie in Europa > Russland > Akademik Lomonosov (Russland)

2 Druckwasserreaktoren • Leistung: 2 x 38 MW • Typ: 2 x KLT-40S "Floating" •
Baubeginn: 15. April 2007 • Inbetriebnahme: 2. November 2018/8. November 2018[1]


Schwimmendes Atomkraftwerk

Descent_craft_"Akademic_Lomonosov"

Descent craft "Akademic Lomonosov"

Hochgeladen auf YouTube am 30. Juni 2010

Akademik Lomonosov ist der Prototyp eines schwimmenden Atomkraftwerks für die zivile Nutzung, das mit zwei Druckwasserreaktoren mit einer Leistung von je 38 MW ausgerüstet ist. Eigentümer und Betreiber ist der russische Konzern Rosenergoatom. Reaktor 1 wurde am 2. November 2018 in Betrieb genommen, Reaktor 2 am 8. November 2018.[1]

Die Baukosten wurden 2007 auf 9,1 Mrd. Rubel geschätzt.[2]

Mit dem Bau wurde zunächst die Sevmash in Severodvinsk, später die Baltiysky Zavod in St. Petersburg beauftragt. Eigentlich hätte die Anlage bereits 2010 fertiggestellt werden sollen. Mitte 2011 wurde das Projekt jedoch wegen eines Konkursverfahrens der Werft vorübergehend ausgesetzt. Nach Verstaatlichung der Werft unterzeichnete der russische Atomkonzern Rosenergoatom einen neuen Vertrag mit der Baltiysky Zavod im Dezember 2012. Am 27. September und 2. Oktober 2013 wurden die beiden Reaktoren installiert. Das Atomkraftwerk sollte am 9. September 2016 fertiggestellt und im Hafen Pevek im autonomen Kreis Tschukotka in Ostsibirien stationiert werden.[3]

Im Dezember 2015 wurde angekündigt, dass sich die Fertigstellung um ein Jahr bis 2017 verzögern und das schwimmende AKW 2019 Strom liefern werde.[4]

2017 wurde berichtet, dass die Akademik Lomonosov das AKW Bilibino ersetzen soll, dessen beide Reaktoren 2019/2021 stillgelegt werden.[5]

Inbetriebnahme 2018/2019

Im April 2018 wurde das Schiff von Stapel gelassen; die zwei Reaktoren sollten noch im gleichen Jahr mit nuklearem Brennstoff ausgerüstet werden und ab Sommer 2019 im arktischen Meer zur Strom- und Wärmeerzeugung und Meerwasserentsalzung eingesetzt werden.[6]

Die beiden Reaktoren wurden im November 2018 in Betrieb genommen.[1] Am 23. August 2019 verließ die Akademik Lomonosov den Hafen von Murmansk. Da sie keinen eigenen Antrieb besitzt, wurde sie von mehreren Schiffen zu ihrem Ziel, der Stadt Pevek, gezogen.[7]

Einsatz in entlegenen Gebieten und Export

Die Idee, schwimmende Atomkraftwerke zu bauen, ist nicht neu. Diese sollten vom amerikanischen Konzern Westinghouse in den 1970er Jahren erbaut werden, wurden aber fallengelassen, nachdem ein Stromversorger 1978 einen Vertrag gekündigt hatte.[8] → Atlantic (USA)

Schwimmende Atomkraftwerke sollen nach russischer Vorstellung vor allem Strom für entlegene Gebiete, Inseln oder Industrieanlagen, wie z. B. Ölbohrinseln, liefern. Im Mai und Juli 2014 haben Russland und China Absichtserklärungen über eine Zusammenarbeit in diesem Bereich unterzeichnet.[9]

Akademik Lomonosov soll auch als Demonstrationsanlage für den geplanten Export genutzt werden. China, Indonesien, Vietnam, Indien und Japan galten 2011 als mögliche Interessenten.[10] Darüber hinaus wurden 2013 Malaysia, Algerien, Namibia, Kap Verde und Argentinien genannt.[11]

Stationierung in erdbebengefährdeter Region mit aktiven Vulkanen

Akademik_Lomonosov_Floating_Nuclear_Power_Plant_-_Russia

Akademik Lomonosov Floating Nuclear Power Plant - Russia

(Hochgeladen aus NTI in YouTube am 11. Juni 2014)

Schwimmende AKW, im britischen "Telegraph" schon mal als "schwimmende Tschernobyls" bezeichnet,[12] werden von Umweltschutzorganisationen als hochgradig gefährlich für die Umwelt angesehen. Bei einer Freisetzung radioaktiven Materials würden die empfindlichen Ökosysteme der Ozeane und des Polarkreises gefährdet. Zudem wäre der russische Norden bei einem Atomunfall nur schwer zu erreichen.[8]

Darüber hinaus ist der geplante Stationierungsort in Ostsibirien seismisch aktiv: "Dort gibt es aktive Vulkane, es ist besonders erdbeben- und tsunamigefährdet: 1952 wurde hier ein Erdbeben der Magnitude 9.0 gemessen". Westliche Experten bezweifeln die Eignung des schwimmenden AKWs für den Volllastbetrieb und sehen die Kühlung der Reaktoren als technischen Schwachpunkt an.[13]

Zudem könnten Terroristen oder Piraten ein schwimmendes AKW entführen, nukleares Material in die Hände bekommen und dieses weiterverkaufen. Rosenergoatom verweist darauf, dass für den Betrieb nur niedrig angereichertes Uran verwendet werde und die Sicherheitssysteme verbessert worden seien.[8]

Weitere Links

→ NTI: Isolated Criticality: Russia's Floating Nuclear Power Plants, Concepts and Concerns vom 5. November 2010
→ Bellona: Russia announces yet newer delivery date for first floating nuclear power plant vom 28. Oktober 2014
Baltic Shipyard (Homepage der Werft)

(Letzte Änderung: 04.01.2021)

Einzelnachweise

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